Sri Lanka : Präsident geht gegen Ex-Armeechef vor

Die Vorwürfe gegen ihn erscheinen an den Haaren herbeigezogen.Helfen wird das Sri Lankas Oppositionsführer Fonseka kaum. Der frühere Armeechef, der als Bezwinger der sri-lankischen Terrorgruppe LTTE gilt, steht vor einem Militärgericht.

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Neu-Delhi  In Sri Lankas Hauptstadt Colombo sind Hunderte Anhänger von Oppositionsführer Sarath Fonseka auf die Straße gegangen. Sie demonstrieren dagegen, dass der ehemalige Armeechef sich seit Dienstag vor einem Militärgericht verantworten muss.

Schon die Umstände nähren den Eindruck, dass Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse den Prozess anstrengen ließ, um Fonseka politisch kaltzustellen. Kein Journalist ist zum Verfahren zugelassen, der genaue Wortlaut der Anklage unbekannt. Vage heißt es lediglich, Fonseka habe sich noch in seiner Zeit als Armeechef politisch betätigt und zudem angeblich seinen Schwiegersohn mit einem Auftrag bedacht. Der Prozess, der in Anwesenheit Fonsekas begann, wurde nach drei Stunden auf den 6. April vertagt. Ein weiteres Verfahren gegen ihn soll an diesem Mittwoch aufgenommen werden.

Die Opposition wirft unterdessen Staatschef Rajapakse vor, Fonseka durch den Prozess bei den Parlamentswahlen am 8. April ausschalten zu wollen. Fonseka, der Anfang Februar verhaftet worden war, gilt als gefährlichster Gegner von Rajapakse im politischen Ring. Ihm drohen bei dem Prozess bis zu fünf Jahre Haft. Sri Lankas früherer Chefrichter Sarath Silva nannte das Verfahren verfassungswidrig. Als Zivilist sei Fonseka nicht mehr dem Militärrecht unterworfen, sagte er. „Es gibt kein demokratisches System hier“, monierte Silva, der sich im Wahlkampf hinter Fonseka gestellt hatte.

Fonseka wird der Sieg über Tamilenrebellen der LTTE zugeschrieben. Nach Ende des Bürgerkriegs überwarf er sich allerdings mit dem autoritären Präsidenten Rajapakse und trat im November 2009 als Militärchef zurück, um seinen ehemaligen Chef ganz demokratisch bei den Präsidentenwahlen Ende Januar herauszufordern. Die liberale Opposition versammelte sich hinter dem früheren Militär.

Doch das Aufbäumen blieb erfolglos. Der Nationalist Rajapakse, dessen Wählerbasis sich mit der singhalesischen Mehrheit im Land deckt, fuhr einen haushohen Sieg ein. Statt sich als großmütiger Sieger zu gerieren, startete Rajapakse prompt nach der Wahl eine Hexenjagd auf die Opposition. Regierungskritiker und Journalisten wurden verhört. Fonseka wurde ins Gefängnis geworfen – im Marine-Hauptquartier in Colombo, wo ihm auch der Prozess gemacht wird. Zuvor hatte Fonseka dem Staatschef Wahlbetrug vorgeworfen und eine Untersuchung gefordert. Fonseka war wiederum von der Regierung der Vorwurf gemacht worden, er habe einen Putsch gegen Rajapakse geplant.

„Wie einen Hund“ hätten Sicherheitskräfte den Kriegshelden an Händen und Beinen davongeschleift, erzählt die Frau Fonsekas entgeistert. Seine Familie lebt seitdem in Angst um ihn. Seit er bei einem Selbstmordattentat der LTTE im Jahr 2006 fast getötet wurde, braucht der 59-jährige frühere Armeechef ständig Medikamente. Christine Möllhoff

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