Sri Lanka : Regierung zu neuen Verhandlungen bereit

Die Regierung Sri Lankas hat sich zu Verhandlungen mit der Rebellenorganisation der tamilischen Minderheit bereit erklärt. Zuvor gab es erneut viele Tote bei Kämpfen zwischen Armee und Rebellen.

Colombo - Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hätten über internationale Beobachter ein Angebot unterbreitet, auf das die Regierung eingehen wolle, teilte Planungsminister Keheliya Rambukwella in Colombo mit. Ein LTTE-Sprecher bestritt ein derartiges Angebot. Bei Kämpfen zwischen Regierungseinheiten und LTTE-Kämpfern starben laut Verteidigungsministerium am Wochenende 36 Soldaten und 150 Rebellen. Die mehrheitlich von Tamilen bewohnte Halbinsel Jaffna im Norden des Landes war vom Rest des Inselstaats abgeschnitten. Hunderte Zivilisten versuchten zu fliehen.

Der LTTE-Chefunterhändler S. Puleedevan sagte aus einem von den Rebellen kontrollierten Gebiet im Norden des Landes, er habe keine Verhandlungen angeboten. Gegenüber norwegischen Friedensvermittlern habe er lediglich erklärt, dass die srilankische Regierung nicht an einer friedlichen Lösung interessiert sei. Sie habe auf mehrere entsprechende Vorstöße seitens der LTTE nicht positiv reagiert. Seine Organisation sei allerdings nach wie vor an einer friedlichen Beilegung des Konflikts gelegen, fügte Puleedevan hinzu.

Vermittler rufen zu sofortiger Waffenruhe auf

Angesichts der jüngsten Gewaltwelle in Sri Lanka riefen die internationalen Vermittler Norwegen, Japan, USA und EU die Konfliktparteien zu einer sofortigen Waffenruhe auf. In einer von der EU am Samstag verbreiteten Erklärung hieß es, Regierung und LTTE sollten umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren. Die vier Vermittler forderten zudem eine unabhängige Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen.

Die Zivilbevölkerung leide auf "untolerierbare" Weise unter den anhaltenden Gefechten, hieß es in der Erklärung. Die zwei Konfliktparteien müssten sofort Hilfsorganisationen zu den Opfern vorlassen. Zudem wurde eine unabhängige Untersuchung unter anderem zur Ermordung von 17 Mitarbeitern der französischen Hilfsorganisation ACF im Nordosten von Sri Lanka vor einer Woche gefordert. Rebellen und Regierungstruppen hatten sich gegenseitig beschuldigt, dafür verantwortlich zu sein.

Am Samstag erschossen zwei Männer in einem Vorort der Hauptstadt Colombo einen ranghohen tamilischen Unterhändler im Friedensprozess. Laut Polizei wurde der Vizegeneralsekretär im Friedenssekretariat, Ketheesh Loganathan, in der Nähe seines Hauses getötet. Staatspräsident Mahinda Rajapakse machte die LTTE für die Tat verantwortlich.

Kämpfe gehen weiter

Armee und Rebellen setzten unterdessen ihre Kämpfe im Norden und Nordosten des Landes fort. Laut Armeeangaben griffen etwa 400 bis 500 LTTE-Kämpfer eine Frontlinie auf der Halbinsel Jaffna und einer vorgelagerten kleinen Insel an. Die nächtliche Ausgangsperre in den Hochsicherheitszonen der Halbinsel Jaffna, deren gleichnamige Stadt die Befreiungstiger zwischen 1990 und 1995 als ihre Hauptstadt kontrollierten, wurde auf den Tag ausgeweitet. Palaly, der größte Luftlandeplatz der Halbinsel, wurde geschlossen, nachdem er am Freitag mit Artillerie beschossen worden war.

Flugzeuge der Regierungstruppen bombardierten auch Rebellenstellungen im Bezirk Trincomalee im Nordosten des Landes. Über den Hafen Trincomalee gelangen die meisten zusätzlichen Truppen mit Schiffen nach Jaffna. Die heftigen Kämpfe waren vor rund zwei Wochen in der Region um die Kontrolle eines wichtigen Wasserkanals ausgebrochen.

Seit Dezember vergangenen Jahres starben amtlichen Angaben zufolge mehr als 1400 Menschen bei Kämpfen und Anschlägen in Sri Lanka. Norwegen hatte 2002 einen Waffenstillstand in dem südasiatischen Land vermittelt. In dem Konflikt starben seit 1972 insgesamt mehr als 60.000 Menschen. (tso/AFP)

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