Politik : Sri Lanka steht vor neuem Bürgerkrieg

Nach einem Attentat auf den Armeechef wird die seit 2002 geltende Waffenruhe brüchig / Luftschläge als Antwort auf Terrorakt

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Die Gewalt in Sri Lanka hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Erstmals seit Beginn des Waffenstillstands vor vier Jahren haben die Streitkräfte offiziell Luftangriffe gegen die Tamilenrebellen geflogen. Am Dienstag und Mittwoch bombardierten sie im Nordosten der Insel mutmaßliche Schiffe und Stützpunkte der so genannten „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ (LTTE) in der Region Trincomalee. Die LTTE drohte mit Gegenschlägen und warf der Regierung vor, einen offenen Krieg anzuzetteln. Nach ihren Angaben wurden mindestens zwölf Zivilisten getötet. 15 000 Tamilen seien aus ihren Häusern geflohen.

Auslöser für die Luftschläge war das Attentat auf Sri Lankas Armeechef am Dienstag. Eine als Schwangere getarnte Selbstmordattentäterin hatte sich im Armeehauptquartier in Colombo in die Luft gejagt. Acht Menschen wurden getötet, Armeechef Sarath Fonseka wurde schwer verletzt. Die LTTE bestreitet die Tat, doch sie trägt ihre Handschrift. Die „schwarzen Tiger“, wie die Selbstmordattentäter genannt werden, werden von der LTTE als Helden gefeiert. Auch Frauen werden für diese Kamikaze-Jobs benutzt. Die internationale Gemeinschaft verurteilte das Attentat auf den Armeechef scharf. Die nordische Mission zur Beobachtung der Waffenruhe lobte – jedoch noch vor den Luftschlägen – das Militär. Die Armee habe „in den vergangenen Wochen unzählige Attacken erlitten, aber bisher von massiven Vergeltungsschlägen abgesehen“. Die Beobachter forderten die Regierung zu weiterer Zurückhaltung auf. Präsident Mahinda Rajapakse steht allerdings unter massiven Druck der Streitkräfte, die Angriffe fortzusetzen. Die jüngste Gewaltwelle hat laut BBC allein in den vergangenen drei Wochen 100 Menschen das Leben gekostet, etwa 70 davon waren Soldaten.

In einer Fernsehansprache sagte Rajapakse, er wolle keine Rückkehr zum Bürgerkrieg, aber er würde sich auch nicht von Bombenanschlägen einschüchtern lassen. Er warnte die LTTE, den Friedenswillen der Regierung als Schwäche zu missdeuten. Die LTTE protestierte unterdessen gegen die Luftangriffe. Sie warf der Regierung vor, den Waffenstillstand aufzukündigen. Die LTTE kämpft seit 1983 für einen unabhängigen Tamilenstaat auf Sri Lanka. Seit Beginn des Konflikts fielen ihm 60 000 bis 65 000 Menschen zum Opfer.

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