Sri Lanka : Tausenden Zivilisten gelingt Flucht aus Kampfgebiet

Im Nordosten Sri Lankas ist es 5000 Zivilisten offenbar gelungen, den Kämpfen zwischen Armee und tamilischen Rebellen zu entkommen. Zehntausende sind jedoch noch immer eingeschlossen.

ColomboNach Militärangaben sind rund 5000 Menschen aus dem Küstenstreifen geflohen, auf den sich die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) zurückgezogen haben. Sowohl Militär als auch UN-Vertreter berichteten, die Rebellen würden auf die Flüchtenden in der Lagune schießen. "Sie versuchen zu entkommen, aber die LTTE schießt auf sie", sagte der UN-Repräsentant Amin Awad. Den vielen Verletzten und den Kindern und Alten ist eine Flucht über das Meer jedoch nicht möglich. Sie müssen weiter unter massivem Beschuss ausharren.

Derzeit ist es kaum möglich, ein unabhäniges Bild von der Lage im Kampfgebiet zu bekommen. Darstellungen der Armee und der Rebellen erweisen sich oft als Falschmeldungen und Propaganda.

Sowohl Armee als auch Rebellen ignorierten einen Appell des UN-Sicherheitsrats und des US-Präsidenten Barack Obama, die Kämpfe einzustellen und die im Kampfgebiet festsitzenden Zivilisten freizulassen. Ohnehin scheint der Aufruf zu spät gekommen zu sein, um die Flucht der Zivilisten noch zu stoppen. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte IWF-Kredite für Sri Lanka auszusetzen.

Der Armee kommt die Massenflucht durchaus entgegen, denn auf diese Weise gehen den Rebellen die menschlichen Schutzschilde verloren, die ihr letzter Schutz vor der anrückenden Übermacht der Armee sind.

Die starken Kämpfe verhinderten nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) den dritten Tag in Folge die Entladung von Hilfsgütern. "Die Lage wird verzweifelt, die schweren Kämpfe gehen ununterbrochen weiter", sagte eine IKRK-Sprecherin. Obama warnte am Mittwochabend vor einer Katastrophe für die Menschen.

Der Sicherheitsrat schaltete sich zum ersten Mal in den Konflikt ein und forderte eine Feuerpause zum Schutz der Zivilbevölkerung. Die Ratsmitglieder verurteilten die tamilische Rebellengruppe LTTE für ihre "jahrelangen Terrorangriffe". Zugleich kritisierte das Gremium die Regierungstruppen: Die Berichte über anhaltenden Granatenbeschuss durch die Armee und Hunderte zivile Opfer hätten große Besorgnis hervorgerufen.

Die Armee hat die Rebellen auf ein Gebiet von wenigen Quadratkilometern zurückgedrängt. Das Rote Kreuz ist die letzte Hilfsorganisation, die noch in dem kleinen Küstenstreifen am Indischen Ozean vertreten ist. Tausende Zivilisten sind dort eingeschlossen, mehr als 116.000 sind aus der Region geflüchtet.

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka dauert bereits seit 26 Jahren und forderte bisher mehr als 70.000 Tote. (cl/Reuters)

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