Politik : Sri Lankas Präsidentin in Berlin: Hoffen auf Frieden und Wirtschaftsboom

Rüdiger Strauch

"Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Aber es liegt Frieden in der Luft." Zum Auftakt ihres ersten Staatsbesuchs in Deutschland hat sich die srilankische Präsidentin Chandrika Bandaranaike Kumaratunga optimistisch zu den bevorstehenden Friedensgesprächen zwischen ihrer Regierung und den aufständischen Tamilen-Rebellen geäußert. Als sehr hilfreich bezeichnete Kamaratunga die Vermittlerrolle Norwegens. Die Skandinavier hätten wesentlich dazu beigetragen, dass in zwei Monaten die Verhandlungen über eine Waffenruhe beginnen könnten, sagte die Präsidentin. Sie ließ aber keinen Zweifel daran, dass die Einrichtung eines autonomen Tamilen-Staates Eelam im Norden des Landes nicht zur Debatte stehe.

Zu Beginn ihrer Visite, in deren Verlauf Kamaratunga mit Bundespräsident Rau und Kanzler Schröder zusammentrifft, standen Gespräche mit Vertretern der deutschen Wirtschaft - und eine Entschuldigung. Ausgerechnet heute müsse man mit Assam-Tee aus Indien vorlieb nehmen, bedauerte Hans-Olaf Henkel, Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Persönlich trinke er natürlich nur Tee aus Sri Lanka, dessen Teeindustrie zu den größten Arbeitgebern des Landes gehöre.

Henkel, der mehr als zwei Jahre auf Sri Lanka gelebt hat, kennt das Land. Vor Vertretern der deutschen Wirtschaft warb er um Investitionen in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Staat. Mehr als 70 000 Menschen sind den Kämpfen seit 1983 zum Opfer gefallen. Rund 30 deutsche Unternehmen haben bereits etwa 240 Millionen Dollar in Sri Lanka investiert und 20 000 Arbeitsplätze geschaffen. Die Bundesrepublik steht damit auf Platz vier der Investorenliste. Das Engagement sei aber noch ausbaufähig, sagte Henkel. "Wir sollten alles daran setzen, bald an der Spitze zu stehen."

Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre lässt Kumaratunga auf einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland hoffen. Die Staatsverschuldung sei rückläufig, man verzeichne Wachstumsraten von fünf Prozent. Zudem könne man auf gut ausgebildete Arbeitskräfte aus der IT-Branche zurückgreifen. Mit Blick auf die Eroberung des riesigen indischen Marktes biete Sri Lanka Investoren beste Voraussetzungen.

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