Politik : Staatsanwalt ermittelt gegen Soldaten Gebirgsjäger ließen Kinder Krieg spielen

Kriegsspiel in der Kaserne Bad Reichenhall: Kinder zielen auf ein Dorf. Foto: AFP
Kriegsspiel in der Kaserne Bad Reichenhall: Kinder zielen auf ein Dorf. Foto: AFPFoto: AFP

Bad Reichenhall/Berlin - Die umstrittenen Kriegsspiele für Kinder in einer Bad Reichenhaller Kaserne beschäftigen nun auch Justiz und Bundestag. Die Staatsanwaltschaft im bayerischen Traunstein hat wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen Volksverhetzung Vorermittlungen aufgenommen. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, will die Vorgänge bei den Gebirgsjägern prüfen. Am Mittwoch war das Thema auf der Tagesordnung des Verteidigungsausschusses. Selbst diplomatische Verwicklungen scheinen nicht mehr ausgeschlossen.

Bei einem Tag der offenen Tür vor eineinhalb Wochen hatten Kinder unter Anleitung von Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 mit Zielerfassungssystemen von echten Panzerfäusten auf kleine Holzhäuser zielen können. Dafür war eigens ein Ort mit dem Schild „Klein-Mitrovica“nachgebaut worden.

Thomas Kossendey (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Verteidigungsminister, sieht in diesem Vorgang einen Verstoß gegen einen Erlass der Bundeswehr. Demnach dürften Waffen nicht in die Hände von Minderjährigen gegeben werden, sagte Kossendey laut einem Mitglied vor dem Verteidigungsausschuss. Diesem soll bei seiner nächsten Sitzung in drei Wochen ein Bericht des Verteidigungsministeriums mit Stellungnahme zum Tag der offenen Tür in Bad Reichenhall vorliegen.

Mitrovica in Kosovo war seit dem Zweiten Weltkrieg mehrmals Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen – von 1999 an auch unter Beteiligung von Soldaten der internationalen Kosovo-Schutztruppe Kfor, zu denen die Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall zählen. Der Botschafter des Kosovos sagte dem „Münchner Merkur“, der kosovarische Außenminister Enver Hoxhaj werde den Vorfall bei seinem Besuch in dieser Woche in Berlin ansprechen. Hoxhaj trifft sich am Freitag mit Außenminister Guido Westerwelle.

Gebirgsjäger mit dem Edelweiß im Truppenabzeichen haben in den vergangenen Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. So wurde Anfang 2010 bekannt, dass Rekruten bei den Gebirgsjägern in Mittenwald als Mutprobe rohe Schweineleber essen oder bis zum Erbrechen Alkohol trinken mussten. 2006 schockierten Fotos die Öffentlichkeit, auf denen Soldaten aus Mittenwald mit Schädeln von Toten in Afghanistan posierten. Die Münchner Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen damals ein. S.K./dpa

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