Politik : Staatsanwalt fordert Haftstrafe für Max Strauß

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Augsburg Max Strauß, der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU), soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Verteidiger forderten dagegen am Donnerstag in den Schlussplädoyers vor dem Landgericht Augsburg einen Freispruch. „Max Strauß hat keinen Pfennig erhalten“, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Dingfelder.

Die Staatsanwaltschaft sah es nach dem fast sechs Monate langen Verfahren jedoch als erwiesen an, dass Strauß Provisionen von dem nach Kanada geflüchteten Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber bewusst nicht versteuert und den Fiskus damit um 1,8 Millionen Mark geschädigt hat. Dingfelder konterte, Strauß habe keine Weisungsbefugnis für das Schreiber-Konto gehabt und nie darauf zugegriffen: „Die Staatsanwaltschaft hat so wenig Zuverlässiges an der Hand an Urkunden und Zeugen – das alles reicht doch nicht.“ Staatsanwalt Christoph Wiesner warf Strauß Steuerhinterziehung in drei Fällen vor, darunter ein besonders schwerer Fall. Der 45-Jährige habe ein hohes Maß an krimineller Energie gezeigt: „Mit seinem Freund Schreiber hat er versucht, den Staat auf höchst raffinierte Weise auszutricksen und zu täuschen.“ Schreiber habe Strauß fünf Jahre lang fest vereinbarte Provisionen in Höhe von insgesamt 5,2 Millionen Mark gezahlt: „Der Angeklagte wusste, dass Schreiber das Geld treuhänderisch für ihn verwaltet, und hätte Zugriff darauf gehabt.“

Dingfelder schilderte dem Gericht seinen Mandanten als psychisch krank. „Auf der Anklagebank sitzt eine zutiefst bedauernswerte, tragische Figur“, sagte er. Der Vater, ein leidenschaftlicher Flieger, habe den Sohn nur das Flattern, nicht das Fliegen gelehrt. Max Strauß hatte in dem gesamten Verfahren geschwiegen. dpa

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