Politik : Staatsanwalt prüft Tollwutfall

Bas Kast

Berlin - Die Staatsanwaltschaft Mainz prüft mögliche ärztliche Versäumnisse bei der Transplantation von Organen einer mit Tollwut infizierten Spenderin. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Klaus Puderbach war die 26-jährige Frau bereits in drei Krankenhäusern wegen Kopfschmerzen behandelt worden, bevor sie in die Uniklinik Mainz überwiesen wurde, wo sie starb. Sie habe außerdem Drogen wie Kokain genommen.

Vermutlich wurde die Patientin nicht genauer zum Hintergrund ihrer Beschwerden befragt. Denn die behandelnden Ärzte wussten offenbar nicht, dass die junge Frau in Indien war und dort möglicherweise von einem Hund gebissen wurde. Vor der Freigabe der Spenderorgane wurde daher kein Gewebetest durchgeführt, um eine Tollwuterkrankung auszuschließen. „Wäre von Seiten der Patientin das Wort Indien oder Hundebiss gefallen, so wäre es vernünftig gewesen, ihr Gewebe vor der Spende auf Tollwut zu testen“, sagte der Chefvirologe vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Herbert Schmitz, der das Gewebe am Donnerstag geprüft hat, dem Tagesspiegel. Tollwuttests sind technisch durchaus möglich, auch in kurzer Zeit, sie sind allerdings nicht so sicher wie HIV- oder Hepatitistests.

Die Uniklinik Mainz indes wies Spekulationen über frühzeitige Hinweise auf eine Infektion zurück. „Auf Grund der bisherigen Sachlage gibt es keine Hinweise auf ein Fehlverhalten der Klinik“, sagte die Sprecherin Petra Giegerich. Um möglichen Vorwürfen entgegenzutreten, habe man selbst die Staatsanwaltschaft gebeten, den Fall zu prüfen. Die „Rhein-Zeitung“ berichtete, die junge Frau sei in der Woche vor ihrem Tod von heftigen Krankheitssymptomen geplagt worden. Weil sie deutliche Wesensveränderungen gezeigt und sich aggressiv verhalten habe, hätte man sie auch in der Andernacher Nervenklinik behandelt.

Nach ihrem Tod waren insgesamt sechs Patienten Organe der 26-Jährigen transplantiert worden. Drei sind nun schwer an Tollwut erkrankt. Der Zustand zweier Patienten war nach Auskunft ihrer Ärzte in Hannover und Marburg am Freitag unverändert ernst. Ein 70-jähriger Patient in Hannoversch-Münden ringt mit dem Tod. Die drei anderen Empfänger zeigen dagegen nach Auskunft ihrer Kliniken keine Symptome.

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