Politik : Staatsanwaltschaft ermittelt nach Tod von BND-Mann

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Berlin - Der überraschende Tod des ehemaligen leitenden Mitarbeiters des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ulrich Wössner, beschäftigt derzeit die Staatsanwaltschaft München. Der 57-Jährige war laut Bericht der „Berliner Zeitung“ wenige Wochen vor dem Jahreswechsel mit Lähmungserscheinungen in eine Klinik eingeliefert worden und – obwohl er sich augenscheinlich auf dem Weg der Besserung befand – kurz vor Weihnachten gestorben. Auf Wunsch der Angehörigen soll nun die Staatsanwaltschaft die Todesursache klären. Ärzte hatten zuvor einen Behandlungsfehler ausgeschlossen. Vor seinem Tod hatte Wössner gegenüber Verwandten die Vermutung geäußert, Opfer eines Giftanschlags geworden zu sein und die Täter zu kennen.

„Derzeit gibt es aber keine Hinweise darauf“, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Eine erste Obduktion und toxikologische Untersuchung der Leiche hatten keine Anzeichen eines gewaltsamen Todes ergeben. Mehr Klarheit soll jetzt eine zweite Analyse der entnommenen Gewebeproben bringen. Dabei werde auch nach Giftspuren gesucht, wie beispielsweise nach Rückständen von nuklearen Substanzen wie Polonium. Mit diesem Stoff war im Herbst 2006 der russische Ex-Agent Alexander Litwinenko ermordet worden. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen frühestens im Laufe der Woche vorliegen.

Wössner war seit den siebziger Jahren beim BND. 1998 wurde er Chef der Sicherheitsabteilung des Nachrichtendienstes. In dieser Position ließ er Journalisten durch den Geheimdienst bespitzeln. In der Spionageaffäre um seinen damaligen Amtsvorgängers Volker Foertsch, dem vorgeworfen wurde, ein russischer „Maulwurf“ zu sein, war Wössner an den dienstinternen Ermittlungen federführend beteiligt. Vier Jahre später erkrankte der BND-Beamte schwer und musste seine leitende Stellung aufgeben. Die Ursachen und Symptome seiner Krankheit konnten damals nie vollständig geklärt werden. Wössner wechselte in die BND-Beschaffungsabteilung 1, wo er für die Zusammenarbeit mit Deutschlands Partnerdiensten, vor allem aber für die Kooperation mit den USA zuständig war. S.K./dpa

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