Politik : Staatsbegräbnis für Geheimagent Calipari

Italien hat den im Irak getöteten Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari mit einem Staatsbegräbnis in Rom geehrt. Zehntausende erwiesen ihm die letzte Ehre. Calipari war nach der Freilassung der entführten Journalistin Giuliana Sgrena von US-Soldaten erschossen worden.

Rom (07.03.2005, 13:41 Uhr) - An der bewegenden Zeremonie für den 52-Jährigen, der im Zuge der Freilassung der Journalistin Giuliana Sgrena von US-Soldaten erschossen worden war, nahmen unter anderem Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi und Ministerpräsident Silvio Berlusconi teil. Bereits zuvor hatten 100 000 Italiener dem Toten die letzte Ehre erwiesen und waren an seinem Sarg vorbeigezogen.

Calipari habe in «höchster Selbstlosigkeit gehandelt, als er sein eigenes Leben gab, um eine anderes zu retten», sagte ein Militärgeistlicher vor tausenden Trauergästen in der Kirche Santa Maria degli Angeli. Calipari hatte sich nach den Worten der Journalistin im Auto schützend vor sie gebeugt, als sie am Freitag nach ihrer Freilassung aus einmonatiger Geiselhaft auf dem Weg zum Flughafen Bagdad beschossen wurden.

«Sein Opfer darf nicht umsonst gewesen sein», sagte der Priester in einer kurzen Predigt. Bereits vor den Feierlichkeiten zeichnete Ciampi Calipari posthum mit einer Tapferkeitsmedaille aus. Calipari hatte durch seine Verhandlungen mit Mittelmännern der Entführer die Freilassung der 56-jährigen Italienerin erreicht, die für die kommunistische Zeitung «Il Manifesto» sowie für die Hamburger Wochenzeitung «Die Zeit» arbeitet. An der Trauerfeier nahmen auch die Witwe sowie die beiden Kinder des Toten teil. Sgrena, die bei den Schüssen an der Schulter verletzt wurde und in einem römischen Krankenhaus liegt, war nicht anwesend.

Vor der Trauermesse wurde der mit einer italienischen Flagge bedeckte Sarg durch die Stadt gefahren. Tausende Menschen waren auf dem Platz vor der Kirche versammelt und spendeten Beifall, als der Sarg eintraf. Die genauen Umstände des Todes und die Hintergründe, warum die amerikanischen Soldaten das Feuer eröffneten, liegen weiter im Dunkeln. Der Regierungsvertreter Gianni Letta, der ebenfalls an den Verhandlungen um Sgrenas Freilassung beteiligt war, rief dazu auf, den Streit zu beenden. «Dies ist der Augenblick, um der heroischen Geste Caliparis gemeinsam und ohne Streit Ehre zu erweisen.»

Nach Angaben der US-Armee fuhr das Auto schnell auf eine Straßensperre zu, der Fahrer habe die Aufforderung zum Anhalten ignoriert. Dagegen behauptet Sgrena, die Soldaten hätten das Feuer grundlos eröffnet. Die Reporterin spekulierte erneut, die vermeintliche Lösegeldzahlung könne die Amerikaner verstimmt haben. «Ich denke - aber dass ist nur eine Hypothese - dass der glückliche Ausgang der Verhandlungen zu Verärgerung geführt hat. Die Amerikaner sind gegen diese Art von Operationen», sagte Sgrena der Mailänder Zeitung «Corriere della Sera» (Montagausgabe).

Die römische Zeitung «La Repubblica» schrieb ohne Angaben von Quellen, vermutlich seien zwischen sechs und acht Millionen Euro Lösegeld gezahlt worden. «Die Regierung hat dies bisher nicht dementiert... Vielleicht nicht, weil sie dies nicht tun kann.» Bereits bei der Freilassung zweier italienischer humanitären Helferinnen im vergangenen Jahr aus irakischer Geiselhaft soll Lösegeld gezahlt worden sein. (tso)

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