• Staatsbesuch Chatamis: Der Soziologe Pahlavan fordert die Beteiligung der säkularen Opposition (Interview)

Politik : Staatsbesuch Chatamis: Der Soziologe Pahlavan fordert die Beteiligung der säkularen Opposition (Interview)

Was erwarten die Studenten in Iran vom Besuch Chat

Tschangiz Pahlavan (61) ist Professor für Kultursoziologie in Teheran. Bei den Studentenunruhen vor einem Jahr setzte er sich für die Demonstranten ein. Seine Vorlesungen wurden aus dem Lehrplan gestrichen.



Was erwarten die Studenten in Iran vom Besuch Chatamis in Deutschland?

Viele Menschen fürchten zunächst, dass einige westliche Staaten nur an wirtschaftlichen Kontakten interessiert sind. Dabei ist den Studenten vor allem Kulturaustausch wichtig. Allerdings nicht derart, dass die Iraner in Berlin debattieren und dann bei der Rückkehr verhaftet werden. Da ist Herr Chatami nicht glaubwürdig. Er soll zeigen, dass die Leute auch in Iran einen Dialog führen können. Sonst wird seine Idee eines Dialogs der Zivilisationen unglaubwürdig.

Könnte Chatami denn mehr gegen die konservativen Hardliner ausrichten?

Er hat mehr Möglichkeiten als er wahrnimmt. Oder er ist zu schwach. Dann soll er dieses wichtige Amt nicht wahrnehmen.

Sie gehören der säkularen Opposition an. Welches Gewicht hat diese?

Die säkulare Opposition ist eigentlich die stärkste. Die Mehrheit der Bevölkerung will die Religion als private Angelegenheit betrachten. Das ist Säkularismus in Iran heute, das ist keine anti-religiöse Bewegung.

So weit will Chatami aber nicht gehen. Dennoch haben die Menschen ihn gewählt.

In der Nachwahl zu den Parlamentswahlen haben sich in Teheran nur wenige Leute beteiligt. Das war ein Protest gegen die Wahl des Parlamentspräsidenten, eines klerikalen konservativen Reformers. Je mehr die islamischen Reformer nur die Rettung des bisherigen System verfolgen, desto stärker werden die Menschen andere Lösungen suchen. Chatami soll nicht glauben, dass er das Vertrauen für immer gewonnen hat.

Welches ist die wichtigste Reform?

Das wichtigste ist, die politische Justiz in Iran zu beenden. Solange diese im Gange ist, gibt es keine freie Meinungsäußerung.

Wie stark ist die Auslandsopposition?

Da gibt es zwei große Lager. Eines denkt reformistisch. Daneben gibt es eine professionelle Opposition, die daran interessiert ist, die Zustände in Iran zu dramatisieren.

Zählen sie zu letzteren den Nationalen Widerstandsrat Iran?

Die haben keine Basis in Iran, die agieren nur im Ausland.

Gibt es denn eine islamische Demokratie?

Es gibt nur eine Demokratie, die innerhalb der eigenen Kultur entwickelt wird. Iran hat eine demokratische Tradition, zu Beginn des 20. Jahrhundert haben säkulare Kräfte mit einer konstitutionellen Revolution versucht, Staat und Religion zu trennen.

Ist Chatami dafür der richtige Mann?

Solange er so wie jetzt handelt, ist er ein Mann des Übergangs.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben