• Staatsbesuch Chatamis: Vom Schah-Besuch bis zur Berliner Iran-Konferenz: Was die bilateralen Beziehungen belastet

Politik : Staatsbesuch Chatamis: Vom Schah-Besuch bis zur Berliner Iran-Konferenz: Was die bilateralen Beziehungen belastet

Andrea Nüsse

Schah-Besuch 1967: Im Juni besuchte Schah Reza Pahlevi zusammen mit seiner Frau Farah Diba Berlin. Der Besuch wird von Krawallen und Unruhen in Westberlin überschattet. Als der Schah und sein Gastgeber Bundespräsident Heinrich Lübke in der Deutschen Oper den Klängen von Mozarts "Zauberflöte" lauschen, erschießt nur 100 Meter weiter ein Kriminalbeamter den Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen Folter und Unterdrückung in Iran. Bereits mittags, als der persische Herrscher den Regierenden Bürgermeister Heinrich Albertz (SPD) im Rathaus Schöneberg aufsuchte, war die Stimmung brisant. Es gab Pfeifkonzerte und Buhrufe, vereinzelt wurden auch schon Farbbeutel auf die Kolonne des Staatsgastes geworfen. Demonstranten beschimpften in Sprechchören den Schah als "Mörder" und verteilten Steckbriefe mit seinem Konterfei. So genannte "Jubelperser" aus dem Gefolge des Schah gingen mit Latten, Stangen und Totschlägern gegen Demonstranten vor.

Das Mykonos-Attentat 1992: Kein Ereignis hat die deutsch-iranischen Beziehungen so nachhaltig belastet wie das Mykonos-Attentat vom 17. September 1992 in Berlin. Damals hatte ein Killerkommando der damaligen Teheraner Machthaber vier Oppositionelle im Berliner Lokal Mykonos liquidiert. Zwei schwerbewaffnete Männer hatten das Restaurant Mykonos in Berlin-Wilmersdorf gestürmt, wo der charismatische Generalsekretär der Demokratischen Kurdischen Partei in Iran, Sadegh Charafkandi, nach einem Besuch der Sozialistischen Internationalen mit Freunden beim Gespräch zusammensaß. Im Kugelhagel starben neben Charafkandi (54) zwei weitere Partei-Funktionäre und ein Dolmetscher. Die Bezichtigung Teherans des Staatsterrors durch das Berliner Kammergericht vor drei Jahren löste eine Eiszeit zwischen Bonn und Teheran aus, die EU zog ihre Botschafter aus Teheran zurück. Die Bundesanwaltschaft erwirkte 1996 gegen den damaligen Chef des iranischen Geheimdienstes Vevak, Ali Fallahijan, einen Haftbefehl.

Der Fall Helmut Hofer 1997 bis 2000: Der deutsche Geschäftsmann Helmut Hofer wurde im September 1997 wegen einer angeblichen sexuellen Beziehung zu einer Muslimin in Teheran festgenommen und zum Tode verurteilt. Im Herbst 1999 wurde Hofer gegen Zahlung einer Geldstrafe zwar vom Vorwurf der unerlaubten sexuellen Kontakte freigesprochen, kurz darauf aber wegen Beamtenbeleidigung wieder inhaftiert. Im Januar 2000 kam Hofer dann gegen eine Geldstrafe von 12 600 Mark frei und konnte Iran verlassen. Der Prozess wird allgemein in direktem Zusammenhang mit dem Mykonos-Prozess und der Festnahme Hamid Khorsands wegen Spionage gegen iranische Oppositionelle in Berlin gesehen.

Berliner Iran-Konferenz 2000: Die Heinrich-Böll-Stiftung hat Ende April nach den Parlamentswahlen in Iran 17 Reformer aus dem islamischen und dem säkularen Lager eingeladen. Die Veranstaltung konnte wegen der aggressiven Proteste von Teilen der iranischen Exil-Opposition praktisch nicht stattfinden, erst am dritten Tag kommt es in kleinem Rahmen zu Debatten. Bilder der Demonstrationen werden im iranischen Fernsehen gezeigt und von den konservativen Hardlinern zu einer Kampagne gegen die Reformer instrumentalisiert. Alle Teilnehmer erhalten eine Vorladung der Revolutionsgerichte, der Journalist Akbar Ganji, der Verleger Essatola Sahabi sowie ein Übersetzer sitzen seither im Gefängnis, die Frauenrechtlerin Mehrangiz Kar und die Verlegerin Shahla Lahiji wurden erst kürzlich gegen Kaution aus der Haft entlassen. Drei Teilnehmer, darunter der Geistliche Hotjatoleslam Yousefi Eshkevari sowie der Soziologe Tschangiz Pahlavan sind wegen Lehraufträgen in Frankreich und Deutschland bisher noch nicht zurückgekehrt.

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