Staatsbesuch : Erdogan und Merkel sprechen über Integration

Beim Deutschland-Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel eine kritische Bilanz zur Integration der Einwander angekündigt. Auch der EU-Beitritt der Türkei wurde thematisiert.

Das Fußballspiel war die Kür, jetzt folgt die Pflicht: Merkel und Erdogan besprechen Integration und den EU-Beitritt der Türkei.
Das Fußballspiel war die Kür, jetzt folgt die Pflicht: Merkel und Erdogan besprechen Integration und den EU-Beitritt der Türkei.Foto: AFP

Der 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens von türkischen Gastarbeitern im Oktober 2011 solle zum Anlass genommen werden, um auch den Blick auf Probleme zu lenken, sagte Merkel am Samstag in Berlin.

„Das Thema Assimilation ist für uns kein Thema, es geht um Integration“, betonte Merkel. Dazu gehöre vor allem das Erlernen der deutschen Sprache, damit vor allem türkische Jugendliche die gleichen Chancen bekämen wie deutsche.

Erdogan sagte, die Integration der rund zwei Millionen in Deutschland lebenden Türken in die Gesellschaft sei „sehr wichtig“. Dabei gebe es noch Defizite, räumte er ein. Deshalb müssten beide Länder nun überlegen, was noch weiter für die Integration getan werden könne.

Erdogan begrüßte die Äußerungen von Bundespräsident Christian Wulff, dass auch der Islam zu Deutschland gehöre. Es sei nötig, Toleranz gegenüber anderen Religionen walten zu lassen.

Während Merkel den umstrittenen EU-Beitritt der Türkei nicht von sich aus ansprach, forderte Erdogan deutsche Unterstützung bei den laufenden Verhandlungen. Die Türkei erwarte, dass die Versprechen gehalten würden. „Es darf keine Verlangsamung geben“, machte Erdogan klar.
Merkel sagte auf Nachfrage, der Prozess sei „ergebnisoffen“. „Wir werden über die nächsten Kapitel sprechen, die geöffnet werden.“ Sie werde im Januar nach Zypern reisen und dort sondieren, ob Deutschland eine hilfreiche Rolle spielen könne. Das Problem der zwischen griechisch- und türkischstämmigen Zyprern geteilten Mittelmeerinsel belastet die Beitrittsverhandlungen. Wegen der Weigerung der Türkei, ihre Häfen für die griechischen Zyprer zu öffnen, liegen mehrere Kapitel der EU-Beitrittsverhandlungen Ankaras auf Eis. (dpa/AFP)

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