Staatsbesuch : Kaczynski reist in die USA

Bei der Reise von Polens Präsident Kaczynski in die USA könnten nächste Woche die Weichen für das geplante Raketenabwehrsystem in Osteuropa gestellt werden. Außerdem treffen sich zwei Präsidenten, die mit zunehmender Isolierung zu kämpfen haben.

WarschauLange hat sich Polen mit einer klaren Antwort auf die amerikanischen Pläne zum Bau eines Raketenabwehrsystems in Mitteleuropa geziert. Mit dem Besuch von Staatspräsident Lech Kaczynski in den USA zum Wochenbeginn könnten nun die Weichen gestellt werden. US-Präsident George W. Bush hatte bereits während seines Polen-Besuchs im Juni um polnische Zustimmung geworben. Vor wenigen Tagen war der tschechische Präsident Vaclav Klaus in Warschau, um mit Kaczynski unter anderem über das Raketenabwehrsystem zu reden.

Prag hat bereits grundsätzlich grünes Licht für den Bau einer Radaranlage auf tschechischem Boden gegeben. Warschau dagegen verhandelt noch über die Stationierung von US-Raketen und hat in den vergangenen Monaten den Ausgang offen gelassen. Ein polnisches Ja hänge davon ab, ob auch die Forderungen Warschaus erfüllt werden, betonen polnische Politiker stets, wenn die Raketenfrage erörtert wird. In Polen ist das Projekt umstritten - die Opposition befürchtet eine erhöhte Gefahr von Terroranschlägen, auch innerhalb der Regierungskoalition gibt es kritische Stimmen.

Zwei Staatschefs kämpfen gegen Isolierung

Doch abgesehen davon dürfte das Treffen sowohl für Bush als auch für Kaczynski eine Begegnung von Freunden in Zeiten zunehmender Isolierung und Meinungsverschiedenheiten mit ihren europäischen Partnern sein. Polen ist eines der wenigen Länder, das im Militäreinsatz im Irak noch immer an der Seite der USA steht, obwohl der Einsatz in der Bevölkerung überwiegend abgelehnt wird. Dass Kaczynski im Gespräch mit Bush den Sinn der Irak-Aktion anzweifelt, ist nicht zu erwarten. Kaczynski wiederum könnte nach den europaweiten Irritationen über das Verhalten Polens beim Brüsseler EU-Gipfel in Washington den Ärger mit den EU-Partnern hinter sich lassen.

Wie wichtig ihm die Beziehungen zu den USA sind, machte Kaczynski bereits beim Amtsantritt deutlich: Seine ersten Auslandsreisen führten ihn in die USA und den Vatikan, nicht etwa nach Brüssel. Bush wiederum dürfte an seinem polnischen Gast dessen Vergangenheit als Berater der Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) im Kampf gegen das kommunistische System besonders schätzen. Auch mit seinem Bekenntnis zu Patriotismus, Traditionen, konservativen Werten und Religiosität liegt der überzeugte Katholik Kaczynski mit Bush auf einer Wellenlänge.

Beim letzten Besuch des US-Präsidenten in Kaczynskis Sommerresidenz auf der Ostseehalbinsel Hela ging es denn auch bewusst familiär zu - mit Strandspaziergängen, einem Geschenk für Kaczynskis am Vortag geborene Enkelin und Streicheleinheiten für Terrier "Tytus". Mit diesen Vierbeinern kennt sich auch Bush aus - im Weißen Haus ist mit seinem Hund "Barney" ebenfalls ein Schottischer Terrier zu Hause. (mit dpa)

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