Staatsbesuch : Katzav warnt vor Antisemitismus

Israels Staatspräsident Mosche Katzav hat vor neuem Antisemitismus in der Bundesrepublik gewarnt. Er vertraue aber Deutschland bei der Abwehr dieser Gefahr, sagte Katzav am Montag zum Auftakt seines Deutschlandbesuches in Berlin.

Berlin (30.05.2005, 20:41 Uhr) - «Leider gibt es Anzeichen, die große Sorgen bereiten. Die deutsche Demokratie hat aber das Werkzeug in der Hand, um mit diesen Anzeichen fertig zu werden», sagte Katzav. Sie sei «sehr fest und reif». Bundespräsident Horst Köhler versicherte, dass Deutschland weiter in breiter Form gegen Antisemitismus und Rechtsradikalismus kämpfen werde.

Köhler und Katzav kündigten an, mit einem gemeinsamen Zukunftsfonds die Beziehungen beider Staaten auszubauen. Mit einem «bestimmten Geldbetrag» zusätzlich solle der Jugend-, Wissenschaft- und Kulturaustausch intensiviert werden, sagte Köhler zu Beginn des dreitägigen Besuchs des israelischen Staatsoberhauptes.

Katzav und Köhler betonten, dass die Partnerschaft beider Länder auch künftig eine «besondere Beziehung» sei und auf der Vergangenheit aufbaue. Besonders Schulen seien gefragt, die Erinnerung an den Holocaust sowie die Verfolgung und Vernichtung der Juden (Schoah) durch die Nationalsozialisten wach zu halten. «Das Trauma der Vergangenheit soll Grundlage für den Aufbau einer besseren Zukunft sein», sagte Katzav.

Anlass des Besuchs ist die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen beider Staaten vor 40 Jahren. Höhepunkt des Staatsbesuchs ist Katzavs Rede vor dem Bundestag an diesem Dienstag. Vor Katzav hatte mit Eser Weizman 1996 erstmals ein israelisches Staatsoberhaupt im Bundestag gesprochen. Am Nachmittag traf Katzav auch mit Außenminister Joschka Fischer (Grüne) zusammen.

Am Abend traf sich Katzav mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sowie mit CDU-Chefin Angela Merkel. In beiden Gesprächen ging es um den Nahost-Friedensprozess. Schröder sagte Katzav zu, die Einrichtung des Zukunftsfonds nachhaltig zu unterstützen, um die deutsch- israelischen Beziehungen im Bereich Wissenschaft und Jugend zu verstärken.

Vor seiner Rückkehr wird Katzav auch das kürzlich eröffnete Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin aufsuchen. Katzav beantwortet einen Besuch Köhlers in Israel im Februar, bei dem dieser in der Knesset, dem israelischen Parlament, eine Rede gehalten hatte.

In den vergangenen 40 Jahren wurden nach Köhlers Worten schwierige Phasen überwunden. Auf dieser Basis seien die Beziehungen vertrauensvoll geworden. In Kenntnis der Tatsache, dass die Schoah für Deutschland immer Verantwortung bedeute, werde darüber nachgedacht, wie die nächsten 40 Jahre Partnerschaft gestaltet werden. In der Bildung dürfe das Thema Antisemitismus und Holocaust «nicht der Routine überlassen» werden. Dem Gefühl «Wir können es nicht mehr hören» müsse entgegengewirkt werden. Katzav zeigte sich «überrascht» über Umfragen, wonach etwa 50 Prozent der Jugendlichen unter 24 Jahre gar nicht wüssten, was Schoah bedeute.

Katzav dankte Köhler bei dem inzwischen dritten Treffen der beiden Staatsoberhäupter für den Einsatz Deutschlands, verschollene israelische Kriegsgefangene aus Libanon wieder nach Hause zu bringen. Er bat darum, dass sich die Bundesregierung weiter dafür einsetze. Zur Kritik aus Deutschland an israelischer Politik im Nahen Osten sagte Katzav, Politiker und Medien hätten das Recht dazu. Sie müssten aber umfassend informiert sein und die Realität kennen. (tso)

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