Politik : Staatsbesuch: Kim Jong Il in Moskau

Der nordkoreanische Parteichef Kim Jong Il ist nach einer mehr als einwöchigen Bahnfahrt quer durch Russland am Freitagabend zu Gesprächen in Moskau eingetroffen. Der Führer des isolierten kommunistischen Staates wurde auf dem Jaroslawski-Bahnhof von Russlands Vize-Regierungschef Ilja Klebanow empfangen. An diesem Samstag will Kim Jong Il mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin über Fragen der internationalen Sicherheit und bilateralen Zusammenarbeit sprechen.

An der Moskauer Endstation der Transsibirischen Eisenbahn wurden für die Ankunft von Kims Sonderzug die Sicherheitsmaßnahmen veschärft. Kim unternahm die etwa 9000 Kilometer lange Fahrt nach Moskau wie schon sein Vater Kim Il Sung mit der Bahn. Seit der Einreise in das Nachbarland Russland am 26. Juli hatte er nur am Baikalsee und in der Stadt Omsk seinen Panzerzug verlassen. Zur Fortbewegung in Moskau ließ er aus Nordkorea seine eigene Limousine einfliegen. Wohnen soll Kim im Kreml.

Putin und Kim wollen eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen, in der Kritik an den US-Raketenabwehrplänen erwartet wurde, meldeten die amtlichen Nachrichtenagenturen. Das stalinistische Nordkorea, das eine Million Mann unter Waffen hält und über eigene Raketen verfügt, gilt den USA als einer der "Problemstaaten", deren mögliche Angriffe das neue System abwehren soll.

Russland und Nordkorea werden auch über militärische Kooperation und Rüstungslieferungen sprechen, wobei russische Experten die Chancen auf Aufträge aus dem armen, unter Hungersnöten leidenden Land für eher gering hielten. Wichtigstes Projekt für Moskau ist eine Verlängerung der Transsibirischen Eisenbahn durch die beiden Koreas, um einen Teil des Warenstroms zwischen Südkorea und Europa auf die Schiene umzulenken. Berichte über eine Wiederaufnahme der nuklearen Zusammenarbeit wurden vom Atomministerium in Moskau dementiert.

Die USA haben unterdessen Russland eine Zusammenarbeit in der Raketentechnik und gemeinsame Militärübungen angeboten. Allerdings müsse Moskau im Gegenzug seine Hilfe für Iran und Nordkorea einstellen, sagte die Sicherheitsberaterin von Präsident George W. Bush, Condoleezza Rice.

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