Staatsbesuch : Köhler in Polen

Bundespräsident Köhler hat zu Beginn seines dreitägigen Staatsbesuchs in Polen für einen offenen Dialog über kontroverse Fragen plädiert.

Warschau (30.08.2005, 14:01 Uhr) - "Gute Beziehungen heißt nicht, dass man immer einer Meinung ist" sagte er nach einem Treffen mit Staatspräsident Aleksander Kwasniewski mit Blick auf die scharfe Kritik Polens an einem möglichen Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin.

Offenheit sei das Wichtigste, um an wirklicher Versöhnung zu arbeiten, betonte Köhler. Zugleich versicherte er, es gebe in Deutschland keine ernst zu nehmende politische Kraft, die die Geschichte umdeuten wolle und ein Zentrum gegen Vertreibungen nutzen wolle, «um aus Tätern Opfer zu machen».

Es sei ihm deshalb auch ein Anliegen, am 1. September an der Gedenkfeier auf der Danziger Westerplatte zur Erinnerung an den deutschen Überfall auf Polen und den Beginn des Zweiten Weltkrieges teilzunehmen, sagte Köhler. Auch Kwasniewski unterstrich die Notwendigkeit eines offenen Dialogs über die schwierige deutsch- polnische Vergangenheit. Zugleich dankte der polnische Präsident, dessen zweite und letzte Amtszeit im Herbst endet, für die deutsche Unterstützung Polens in den vergangenen zehn Jahren seiner Präsidentschaft.

Anlass von Köhlers Reise nach Polen sind die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) am Mittwoch. Auf seiner dritten Reise nach Polen trifft er auch mit Ministerpräsident Marek Belka und anderen polnischen Spitzenpolitikern zusammen. (tso)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben