Staatsbesuch : Sarkozy heimst Milliardenverträge in Tunesien ein

Flugzeuge, ein Wärmekraftwerk und Zusammenarbeit im Nuklearsektor: Bei seinem Besuch in Tunesien hat der französische Präsident Sarkozy umfangreiche Wirtschaftsverträge unterzeichnet. Auch über die umstrittene Mittelmeerunion wurde geredet.

sarkozy in tunesien
Gewohnt elegant. Präsident Sarkozy mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy. -Foto: AFP

Tunis/Paris Beim Staatsbesuch des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Tunesien sind Wirtschaftsverträge in Milliardenhöhe unterzeichnet worden. Mit seinem tunesischen Amtskollegen Zine el Abidine Ben Ali vereinbarte Sarkozy am Montagabend eine Zusammenarbeit im Nuklearsektor, die in die Lieferung eines Atomreaktors münden soll. Ähnliche Vereinbarungen hatte Frankreich schon zuvor mit Libyen, Marokko und Algerien geschlossen.

Die Fluggesellschaft Tunis Air unterzeichnete eine Absichtserklärung für den Kauf von 16 Airbus-Flugzeugen zum Listenpreis von einer Milliarde Euro, teilte das Verkehrsministerium in Tunis mit. Es handle sich um Festbestellungen von zehn Maschinen des Typs A320 und drei des Typs A350 sowie Optionen für zwei weitere A320 und einen A350. Französischen Medienberichten zufolge wurden sogar 19 Airbusse bestellt, drei mehr als ursprünglich geplant. Davon seien 16 Festbestellungen. Das französische Unternehmen Alstom erhielt nach diesen Angaben den Zuschlag für den Bau eines Wärmekraftwerks in Südtunesien für 360 Millionen Euro und stach dabei den deutschen Konkurrenten Siemens aus.

Gespräche über Mittelmeerunion

Sarkozy und Ben Ali sprachen dem Vernehmen nach auch über die geplante Union für das Mittelmeer. Beide hätten ihren Wunsch nach einem gemeinsamen Vorgehen bekräftigt. Die Mittelmeerunion soll am 13. Juli beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschef in Paris mit den Vertretern der Mittelmeeranrainer gegründet werden. Bei seinem 48-stündigen Staatsbesuch wird Sarkozy von Immigrations-Minister Brice Hortefeux, Menschenrechts-Staatssekretärin Rama Yade, rund 100 Unternehmensvertretern sowie seiner Gattin Carla begleitet.

Hortefeux hatte am Montag einen Einwanderungsvertrag unter Dach und Fach gebracht, mit dem Frankreich die Aufnahme von jährlich 9000 ausgesuchten Arbeitssuchenden zusichert. Tunesien ist trotz knapper Ressourcen mit mehr als sechs Prozent Wirtschaftswachstum, rechtlicher Gleichstellung der Frau und Schulpflicht bis 16 Jahre ein wirtschaftliches Vorzeigeland Afrikas. Politisch hält Ben Ali (71) das Land seit 1987 fest im Griff. Die Opposition kritisiert mangelnde Pressefreiheit. (ho/dpa)

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