Staatsbesuch : Sarkozy möchte ''Amerikas Herz zurückerobern''

Balsam für Bush: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat bei seinem Antrittsbesuch in den USA seine Entschlossenheit bekräftigt, die Freundschaft zwischen beiden Ländern zu erneuern. Sie hatte unter seinem Vorgänger Jacques Chirac stark gelitten.

Bush und Sarkozy
Einträchtig: George W. Bush und sein Gast Nicolas Sarkozy. -Foto: AFP

Washington"Ich komme nach Washington mit einer sehr einfachen Botschaft. Ich möchte Amerikas Herz zurückerobern," sagte Sarkozy bei einem Gala-Dinner mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus in Washington. Zuvor hatte Sarkozy im Atomstreit mit Iran und weiteren außenpolitischen Fragen Einigkeit mit Bush demonstriert. Der Besuch sollte die Zeit der politischen Spannungen offiziell beenden, die die Beziehungen zwischen Paris und Washington unter Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac geprägt hatten. Für Heiterkeit bei dem Treffen sorgte Sarkozy, der mit Außenminister Bernard Kouchner und drei weiteren Ministern angereist war, mit der Bemerkung: "Ich bin hergekommen, um Ihnen zu sagen, dass man ein Freund Amerikas sein kann und die Wahlen in Frankreich gewinnen - das ist kein Wunder, das ist eine Realität.

"Es lebe die Freundschaft"

Der französische Staatschef sagte weiter, sein Land werde den USA nie ihre Hilfe im Kampf gegen Nazi-Deutschland vergessen. "Es lebe Amerika, es lebe Frankreich und es lebe die Freundschaft zwischen dem französischen Volk und dem amerikanischen Volk", schloss Sarkozy seine Rede.

Bush hatte Sarkozy auf Französisch im Weißen Haus willkommen geheißen. In seiner Tischrede hob auch er die Bedeutung der langen US-französischen Freundschaft hervor. Durch eine Vertiefung ihrer Zusammenarbeit könnten beide Länder "die Welt zu einem besseren Ort machen," sagte er.

In einer Rede vor dem US-französischen Handelsrat hatte Sarkozy zuvor betont, Frankreich und die USA seien und blieben "Freunde, denn wir gehören derselben Familie an". Auch die früheren Meinungsverschiedenheiten über den Irak-Krieg sollten dies nicht in Frage stellen.

Harte Haltung im Atomstreit mit Iran

Sarkozy unterstützte außerdem Bushs Forderung nach einer harten Haltung im Atomstreit mit Iran. Für Frankreich sei die Vorstellung, dass Teheran über eine Atombombe verfügen könnte, "nicht hinnehmbar", betonte er. Die Krise könne nur durch UN- und EU-Sanktionen gegen den Iran gelöst werden. Gleichzeitig setzte Sarkozy sich jedoch für einen "Dialog bis zur letzten Sekunde" ein und sprach dem Iran ein Recht auf die zivile Nutzung von Atomkraft zu.

Sarkozy hob vor den dem US-französischen Handelsrat angesichts der anhaltenden Schwäche des Dollars gegenüber dem Euro hervor, dass die USA kein Interesse an einem "zu schwachen Dollar" hätten. Sarkozy sagte dies auch im Interesse des europäischen Flugzeugbauers Airbus, der angesichts hoher Ausgaben in Euro und einem großen Einnahmenanteil in Dollar unter dem schwachen Dollar leidet. Mit Blick auf Boeing, den US-Konkurrenten von Airbus, rief Sarkozy zu einem gleichberechtigtem Wettbewerb auf.

Zugleich kündigte der französische Präsident an, sich bei seinem Besuch in China Ende November für eine Aufwertung des Yuan einzusetzen. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush fordert dies schon lange von Peking, da sie in der schwachen chinesischen Währung einen Hauptgrund für das enorme Defizit im US-Handel mit China sieht.

Besuch auf Bushs Ranch

Heute soll Sarkozy vor beiden Häusern des Kongresses sprechen, was als große Ehre gilt. Außerdem steht eine gemeinsamer Besuch auf dem Landsitz des ersten US-Präsidenten George Washington außerhalb der Hauptstadt auf dem Programm.

Bei den Gesprächen sollte es unter anderem um die Lage im Nahen Osten, in Afghanistan, im Iran und in Birma sowie um den Kosovo-Status gehen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Chirac ist Sarkozy als USA-freundlich bekannt. Kurz nach seiner Wahl im Mai hatte Sarkozy seinen Sommerurlaub in den Vereinigten Staaten verbracht und informell mit dem Ehepaar Bush zu Mittag gegessen. Am Freitag wird Bush Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch auf seiner Ranch in Texas empfangen. (mit AFP)

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