Politik : Staatsbesuch von Massaker überschattet - 36 Menschen ermordet

US-Präsident Bill Clinton hat am Dienstag eindringlich an Indien und Pakistan appelliert, Gespräche zur Beilegung ihres Streits um die Kaschmir-Region aufzunehmen. Die Ermordung von 35 Mitgliedern der Religionsgemeinschaft der Sihks im Kaschmir nur wenige Stunden vor seinem offiziellen Besuchsbeginn hatte die Brisanz des Konflikts wieder schlagartig beleuchtet. Die Täter hatten die Bewohner des Dorfs Chati Singhpura Mattan aus ihren Häusern getrieben, die Männer von ihren Familien getrennt und sie erschossen. Armee-Einheiten nahmen in den umliegenden Bergen die Suche nach den Tätern auf.

Während seines Besuchs in Neu-Delhi vereinbarte US-Präsident Bill Clinton mit dem indischen Ministerpräsidenten Atal Bihari Vajpayee, die Wirtschaftsbeziehungen massiv auszubauen. Clinton beklagte, mit Blick auf den letzten Besuch eines US-Präsidenten in Indien vor 22 Jahren, zu lange die Wirtschaftskontakte zu dem Land vernachlässigt zu haben. In der Vergangenheit haben die amerikanisch-indischen Beziehungen stets unter den engen Bindungen zwischen Neu-Delhi und Moskau gelitten. Die Mitte der 90er Jahre einsetzende Entspannung wurde 1998 von einer Serie indischer Atomwaffenversuche gestört.

Keinen Durchbruch erreichte US-Präsident Clinton in Neu Delhi in den strittigen Fragen des indischen Atomwaffenprogramms und des Konflikts mit Pakistan. Indien wolle nicht dem Atomteststopp-Vertrag beitreten. Clinton äußerte die Hoffnung, dass es für Indien und Pakistan eine "Möglichkeit" geben werde, eine gemeinsame Position zur Nichtverbreitung von Atomwaffen zu finden. Ministerpräsident Vajpayee sagte, sein Land halte sich in Sachen Atomtests an ein Moratorium und werde nicht als erstes Atomwaffen einsetzen. Indische Kommunisten und andere Gruppen protestierten am Dienstag landesweit gegen den Besuch von Clinton.

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