Staatsbesuch : Wladimir Putin, ein „Held“ nach Kairos Geschmack

Die ägyptische Wirtschaft lahmt, helfen soll auch der Wladimir Putin. Deshalb wird der russische Präsident in Kairo hofiert wie kaum ein Staatsmann zuvor.

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Willkommen! Wladimir Putin wurde in Kairo mit Plakaten und huldigenden Artikeln in der Staatspresse begrüßt.
Willkommen! Wladimir Putin wurde in Kairo mit Plakaten und huldigenden Artikeln in der Staatspresse begrüßt.Foto: AFP

Endlose Plakatreihen säumen die Nilbrücken und Durchgangsstraßen. Fast von jedem Laternenpfahl der ägyptischen Hauptstadt lächelt am Montag Wladimir Putin milde auf die staugeplagten Autofahrer herab. Niemals zuvor wurde ein ausländischer Staatschef mit einer derart flächendeckenden Begrüßungskampagne hofiert. „Putin, ein Held dieser Zeit“ titelte die Staatszeitung „Al Ahram“ und pflasterte ihre Aufschlagseite mit Fotos des verehrten Kreml-Idols – mal mit nacktem Oberkörper und Jagdgewehr in der Hand, mal in Pilotenuniform. Der Mann aus Moskau ist so ganz nach dem Geschmack der neuen Herren Ägyptens. Er schert sich nicht um Menschenrechte oder Justizwillkür – und bietet dem Westen immer wieder die Stirn.
So kritisierte Putin in einem Interview mit „Al-Ahram“ das Vorgehen der von den USA angeführten Allianz gegen die Terrormiliz IS. Durch „plumpes und unverantwortliches Eingreifen von außen“ sei die Lage im Irak und in Syrien erst zu dem geworden, was sie heute ist, sagte Putin. Strategie und Taktik der Allianz seien „unverhältnismäßig im Vergleich zu der Bedrohung“.

Moskau ist einer der größten Getreidelieferanten für die 90 Millionen Menschen im Niltal. Seine Firmen wollen im Gas- und Ölsektor Fuß fassen. Und Kairo liebäugelt mit einem Atomreaktor aus russischer Produktion. Gastgeber Abdel Fattah al Sisi wiederum kalkuliert, durch den demonstrativen Schulterschluss mit dem Kremlchef die beinahe täglichen Mahnungen aus Europa und den USA leichter überhören zu können. Er möchte russische Investoren nach Ägypten locken. Ägypten braucht dringend Flüssiggaslieferungen für seine Kraftwerke. Auch für moderne Waffensysteme hat al Sisi eine lange Wunschliste – angefangen von Mig29-Jägern über Mig-35-Kampfhubschrauber bis zu Luftabwehrraketen.
Die 3,5 Milliarden Dollar hohe Rechnung kann Ägypten nicht selbst begleichen, im Staatshaushalt fehlt es an allen Ecken und Enden. Einspringen sollen die Saudis und Emiratis, die Ägyptens Post-Mursi-Regime bereits mit rund 20 Milliarden Dollar unter die Arme griffen. Einen Tag vor der Putin-Visite versuchte Sisi darum auch, in einem Telefonat mit dem neuen König Salman in Riad gut Wetter zu machen.

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