Politik : Staatsfeind aus Deutschland

Sieben Jahre Haft für Professor wegen Kontakten mit Nordkorea

Henrik Bork[Seoul]

Song Du Yul ist ein 59-jähriger Soziologieprofessor der Universität Münster und deutscher Staatsbürger koreanischer Abstammung. Seit dem 22. Oktober 2003 saß er in Südkorea in Untersuchungshaft. Unter Berufung auf das „Nationale Sicherheitsgesetz“ wurde ihm der Prozess gemacht. Am Dienstag ist Song vom Bezirksgericht in Seoul zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. „Der Richter folgte im wesentlichen der Sichtweise der Staatsanwaltschaft", sagte Rinn Song, der Sohn. Die hatte ihn wegen seiner Kontakte zu Nordkorea angeklagt.

37 Jahre lang hatte der linke Intellektuelle Song in Deutschland gelebt, bei Jürgen Habermas promoviert und sich in den siebziger Jahren gegen die Militärdiktatur in Südkorea engagiert. Bei seinem ersten Besuch aus dem Exil im vorigen September wurde er verhaftet. Im Prozess legte man ihm dann seine Kontakte zu Nordkorea zur Last. Da fahren zwar neuerdings sogar südkoreanische Präsidenten hin und schütteln dem Diktator Kim Jong Il die Hand. Dem anachronistischen Sicherheitsgesetz zufolge gilt die nordkoreanische Führung im Süden aber immer noch als „staatsfeindliche Organisation“. Seine Haftbedingungen in der U-Haft seien miserabel gewesen, klagte Song Du Yul. Songs deutsche Staatsbürgerschaft wurde von den Justizbehörden ignoriert.

Vorgeworfen wurde Song, dass er im Mai 1991 Mitglied des nordkoreanischen Politbüros geworden sei. Zwischen 1991 und 1994 habe er jährlich zwanzig- bis dreißigtausend US-Dollar aus Nordkorea angenommen. Damit habe Nordkorea die „Aktivitäten Songs unterstützt", argumentierte die Staatsanwaltschaft, darunter auch die „Verbreitung der nordkoreanischen Ideologie“. Die Strafforderung: 15 Jahre. Song stritt die angebliche Mitgliedschaft als „Kandidat des Politbüros auf Rang 23“ jedoch ab. Er gab nur zu, bei einem seiner zahlreichen Besuche in Nordkorea Mitglied der Kommunistischen Partei geworden zu sein. Das Geld aus Nordkorea habe er zum Unterhalt eines „Korea-Forschungsinstituts“ in Göttingen verwandt.

Das Nationale Sicherheitsgesetz ist von Menschenrechtsorganisationen immer wieder kritisiert worden, weil es zur Verfolgung politischer Gegner missbraucht worden ist. Auch die Prozessprotokolle zeigen, dass dort tagelang die politische Gesinnung Songs zur Debatte stand.

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