Staatsoberhaupt : Argentinier wählen Präsidentin

Bei der Präsidentenwahl in Argentinien zeichnet sich erstmals in der Geschichte des konservativ-katholischen Landes der Sieg einer Frau ab. Haushohe Favoritin ist Cristina Fernández de Kirchner, die Gattin des bisherigen Präsidenten.

Buenos AiresDie einzige ernst zu nehmende Konkurrenten für die Peronistin Kirchner (54) ist die Politikerin der linken Mitte Elisa Carrió (50). Nach Einschätzung der Umfrageinstitute dürfte sie es jedoch kaum schaffen, die für einen Sieg Kirchners gleich in der ersten Runde notwendige Mehrheit zu verhindern und damit eine Stichwahl im November zu erzwingen. Alle anderen zwölf Kandidaten gelten als chancenlos. Mehrere von ihnen warnten vor möglichem Wahlbetrug.

Scharfzüngig und aufbrausend

Kirchner profitiert zwar von den wirtschaftspolitischen Erfolgen ihres Mannes und dem Einsatz des Staatsapparates für ihren Wahlkampf. Jedoch ist die bisherige Senatorin eine erfahrene Politikerin, und ihr wird ein unbedingter Wille zur Macht nachgesagt. Bei ihren politischen Gegnern und auch bei Mitarbeitern ist sie wegen ihrer Scharfzüngigkeit und manchmal aufbrausenden Art gefürchtet. Als ihre Hauptaufgaben bezeichnet sie die Festigung der Demokratie, das Wirtschaftswachstum und die Überwindung der krassen sozialen Unterschiede.

Bei der Stimmabgabe in ihrem Heimatort Rio Gallegos 2500 Kilometer südlich der Hauptstadt Buenos Aires erinnerte sie an die dunklen Diktaturzeiten der jüngeren argentinischen Geschichte. "Als ich 18 Jahre alt war, konnte ich nicht wählen", sagte die heute 54-Jährige. Der Wahlkampf, in dem sich Kirchner oft schon wie ein Staatsoberhaupt äußerte und Interviews, Pressekonferenzen sowie Fernsehdebatten ablehnte, blieb ohne Höhepunkte.

Néstor Kirchner gelang es während der vergangenen vier Jahre, die Auslandsschulden drastisch zu senken, die Wirtschaft anzukurbeln, den Staatshaushalt auszugleichen und Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen. "Argentinien wird wieder aus dem Präsidentenpalast und dem Parlament regiert und nicht vom Internationalen Währungsfonds", sagte Cristina Fernández de Kirchner bei der Abschlussveranstaltung ihres Wahlkampfes.

Zersplitterte Opposition

Die zersplitterte Opposition versuchte unterdessen, die wirtschaftliche Erholung Argentiniens vor allem mit einer günstigen Konjunktur der Weltwirtschaft zu erklären. Die alten Leiden der Abhängigkeit des Landes von Rohstoffexporten, der Vetternwirtschaft und Korruption, der schwerfälligen Verwaltung und der Rechtsunsicherheit hätten sich indes unter Kirchner nur noch verschärft. Zudem habe die Regierung die Inflationszahlen nach unten manipuliert.

Parallel zur Präsidentenwahl wurden auch die Hälfte der Abgeordneten der Deputiertenkammer, ein Drittel des Senats und in acht Provinzen Gouverneure und Regionalparlamente neu bestimmt. (mit dpa)

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