• Stabile Unübersichtlichkeit: Das Saarland hat sich für eine große Koalition entschieden

Stabile Unübersichtlichkeit : Das Saarland hat sich für eine große Koalition entschieden

Der Trend, der hier gesetzt wurde, hat das Zeug dazu, sich zu verstetigen. Man kann ihn die neue Übersichtlichkeit nennen. Welche Auswirkungen hat die Wahl für die Parteienlandschaft?

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Glücklich sieht Maas nicht aus. Trotzdem ist für die SPD in Berlin wie in Saarbrücken klar, dass es bei der Zusage an Kramp-Karrenbauer bleibt – und damit bei der Absage an Oskar Lafontaine.
Glücklich sieht Maas nicht aus. Trotzdem ist für die SPD in Berlin wie in Saarbrücken klar, dass es bei der Zusage an...Foto: dapd

Im Willy-Brandt-Haus brandet spontaner Beifall auf. In der Grünen-Parteizentrale klatschen etliche begeistert in die Hände. Auch unter Linken ist die Begeisterung groß. Der Applaus am Abend dieser Saarland-Wahl gilt freilich nicht den eigenen Wahlkämpfern; da gibt es eher wenig Grund zum Jubeln. Dafür ist die Schadenfreude um so größer, als die erste Prognose für die FDP über die Fernsehschirme flimmert. „Jawoll!“ ruft ein altgedienter Sozialdemokrat aus. 1,5 Prozent für die Freien Demokraten, die im Lauf des Sonntagabend sogar absinken bis auf 1,2 Prozent – das kommt einer Todesnachricht ziemlich nahe.

Wie nahe, das wird erst so richtig deutlich, wenn man die absoluten Zahlen sieht. Da wird auf einmal das Bild von der Parteifamilie gespenstische Wirklichkeit, das Festredner bei besserer Gelegenheit so gerne benutzen. Knapp 2000 Mitglieder hat die Freie Demokratische Partei an der Saar. Gerade drei Mal so viele Stimmen hat die Partei noch erhalten.

Schlimmer hätte der Auftakt der drei Landtagswahlen kaum verlaufen können. Dass es die Parteifreunde nicht wieder in den Landtag schaffen würden, damit hatten alle gerechnet. Die Saar-FDP hatte schließlich ein derart desaströs zerstrittenes Bild geboten, dass die CDU sie aus der Jamaika-Koalition hinauswarf. Im Berlin wären sie danach für eine Drei vor dem Komma schon dankbar gewesen. Etliche haben gar auf einen „Lindner-Effekt“ gehofft. In Nordrhein-Westfalen haben sich die Umfragewerte schließlich auf vier Prozent verdoppelt, seit dort Ex- Generalsekretär Christian Lindner zum Spitzenkandidaten ausgerufen wurde.

Doch Lindners Glanz reicht nicht bis an die Saar. Und so bleibt seinem Nachfolger Patrick Döring im Berliner Thomas- Dehler-Haus wenig mehr, als eine „Sondersituation im Saarland“ für das miese Ergebnis verantwortlich zu machen. Angesichts der ohnehin nervösen Stimmung bei den Liberalen wird die Erklärung nicht lange tragen. Schon gar nicht, wenn das kleine Umfragehoch an der Ruhr nicht von Dauer sein sollte. Vor die beiden nächsten Wahlen in Schleswig- Holstein und NRW Anfang Mai hat der politische Kalender der FDP Ende April noch einen Bundesparteitag gesetzt. Für den Vorsitzenden Philipp Rösler ist das ein denkbar schlechter Termin – ein Desaster an der Saar hinter sich, zwei Schicksalswahlen vor sich. Schon machen Spekulationen die Runde, Lindner und der Nord-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki könnten den 39-Jährigen wegputschen, bevor auch die Wahlen Nummer Fünf und Sechs unter seiner Führung verloren gehen.

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