Politik : Stade vom Netz – andere Atomkraftwerke übernehmen

Ersatzreaktoren sollen länger laufen / Betreiber: Abschaltung hat nur wirtschaftliche Gründe / Trittin: Ausstieg ist uns ernst

Peter Stoeckenius

Hamburg. Um genau 8 Uhr 32 ist am Freitag das Atomkraftwerk Stade an der Unterelbe vom Netz gegangen. Es ist der erste Meiler, der abgeschaltet wird, seit die rot-grüne Bundesregierung den Atomausstieg beschlossen hat. Für den grünen Umweltminister Jürgen Trittin belegt das Ereignis denn auch, dass „mit dem Atomausstieg sichtbar Ernst gemacht wird“. Für die Atomwirtschaft und die Kernkraftgegner hat das Ende des zweitältesten deutschen Reaktors mit dem Ausstieg indes wenig zu tun. Betreiber Eon spricht von rein „wirtschaftlichen Überlegungen", die zum vorzeitigen Aus für Stade geführt haben – ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Bund weisen darauf hin, dass die Strommengen, die Stade noch bis 2004 produziert hätte, nun auf andere Kraftwerke übertragen werden. Diese sollen nun länger laufen dürfen als vereinbart.

Stade wurde 1972 gebaut und ist nach dem 1968 ans Netz gegangenen Obrigheim in Süddeutschland der Reaktor, der bisher am längsten Energie produziert hat. Greenpeace hatte schon vor Jahren das Abschalten von Stade gefordert – so galt der Meiler als ungenügend gegen Flugzeugabstürze gesichert. Die Betreiber mussten das Akw in den vergangenen Jahren wiederholt wegen technischer Mängel vom Netz nehmen. Wegen der hohen Reparaturanfälligkeit, aber auch aufgrund seiner geringen Größe und den gesunkenen Strompreisen nach der Liberalisierung des Strommarktes entschied sich Eon vor zwei Jahren, Stade abzuschalten.

Bis 2020 werde Deutschland sich von dieser Energieform verabschiedet haben, sagt Trittin. Doch CDU-Chefin Angela Merkel hat bereits klar gemacht, dass im Falle eines Machtwechsels im Bund der Ausstieg aus dem Ausstieg geplant ist. Merkel fordert, dass die Betreiber ihre Kraftwerke „so lange am Netz lassen dürfen, wie sie wollen".

In Stade selbst beginnt nun der Rückbau des Kraftwerks. Das Akw soll bis 2015 abrissfertig sein: Bis dahin werden die radioaktiv strahlenden Brennelemente zunächst vor Ort zwischengelagert und dann zur Wiederaufbereitung ins französische La Hague transportiert. Mehr als 400 000 Tonnen teilweise radioaktiv kontaminierter Bauschutt werden in den kommenden Jahren anfallen. Eon beziffert die Kosten auf mindestens 500 Millionen Euro.

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