Politik : Ständiger Repräsentant

Journalist, Kanzlersprecher, Botschafter – Klaus Bölling wird 75

Hermann Rudolph

Es ist kein bemühtes Kompliment, ihm zu bescheinigen, dass ihm das Alter kaum zugesetzt hat. Klaus Bölling ist der gut aussehende, virile Mann geblieben, der er immer war, seitdem er im Blickfeld der Öffentlichkeit erschien. Das war, sieht man von seiner Zeit als Fernsehjournalist ab, zumal den vier Jahren auf dem wichtigen Posten des ARD-Korrespondenten in Washington, Mitte der siebziger Jahre. Damals wurde er, mit dem Kanzler-Wechsel von Brandt zu Schmidt, Regierungssprecher in Bonn. Die journalistische Bonner Honoratioren-Mannschaft begrüßte ihn ironisch als „Verbalkünstler“. Aber bald wurde klar, dass er in der Spitzenklasse dieses Amtes spielte, das eines der schwierigsten im politischen Geschäft ist: kenntnisreich, ein fairer Informant, auch ein brillanter, mit den Formen spielender Causeur, dabei durchaus dem Kanzler lassend, was des Kanzlers ist. Eine gute Figur auf dem glatten Bonner Parkett machte er ohnehin.

Diese acht Jahre waren vermutlich die Lebensphase, in der Bölling am meisten er selbst war. Sie erlaubten ihm, seine Stärken auszuspielen, das Rhetorische wie die schnelle Intelligenz wie seine Begabung des eleganten Auftritts. Er absolvierte auch die Fegefeuer dieses Amtes: Bölling war der Regierungssprecher während der Schleyer-Entführung; er bestand die Prüfung glänzend. Sein Erfolg – und Schmidts Vertrauen – verhalfen ihm zu einem weiteren Schritt auf der Karriereleiter und zur Mit-Erfahrung des Scheiterns: 1981 wurde er Leiter der Ständigen Vertretung in der DDR, ein Jahr später rief Schmidt ihn zurück nach Bonn, mitten hinein ins Endspiel der Ära Schmidt und der sozial- liberalen Koalition.

Daran mag man sehen, dass das etwas Glückskindhafte, das Bölling ausstrahlte, seine Grenzen hatte. Zwar war den Jahren im Regierungsdienst eine blendende journalistische Nachkriegs-Karriere vorausgegangen: Anfang beim Tagesspiegel unter den Fittichen Erik Regers, dann Rias, dann SFB, dann WDR, dann NDR, dann Intendant bei Radio Bremen. Aber im Rückblick zeigt sich ein komplexeres Profil, schicksalhaft unterfüttert von Herkunft und Zeitläuften. Bölling kommt aus preußischem Beamtenhaus, der politisch konservativ engagierte Vater wurde 1933 entlassen, die Mutter, jüdischer Abstammung, kam ins KZ, überlebte aber. Solche Mitgift an Zeiterfahrung brachte den jungen Überlebenden nach dem Zusammenbruch kurz auf die SED-Seite, aber auch dazu, sich davon bald wieder loszureißen. Im Berlin der fünfziger Jahre fand er dann unter dem Eindruck von Schumacher und Wehner zur SPD.

Klaus Bölling, letztlich doch Journalist aus Beruf und Berufung, ist ein markanter, liberaler Kommentator geblieben, eine der bundesrepublikanischen Stimmen, die aus den letzten Jahrzehnten nicht wegzudenken sind. Ein bisschen Preußen, scharf auf Taille, berlinerisch aufgelockert, dazu eine ordentliche Portion erlebter und reflektierter Zeitgeschichte, trug er wohl immer unter seinem Blazer. Seine Partei hatte übrigens an ihm – sie hat ja Köpfe im Überfluss – kein Interesse, als er, nach der Wende, bereit war, sich politisch zu engagieren. Diverse Medien auch nicht. Klaus Bölling, ein Herr, weiß es mit Würde zu tragen. An diesem Freitag wird er 75 Jahre alt.

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