Politik : Stammzellen ohne Tötung von Embryonen

-

Berlin - Amerikanische Forscher haben erstmals menschliche embryonale Stammzellen gewonnen, ohne dabei den Embryo zu zerstören. Die Wissenschaftler der Firma Advanced Cell Technology aus dem US-Bundesstaat Massachusetts hoffen, damit ethische Bedenken gegen die Erforschung und medizinische Nutzung embryonaler Stammzellen zu mindern. In Deutschland ist die Gewinnung solcher Stammzellen verboten.

Bei dem neuen Verfahren wird dem Embryo im frühen Entwicklungsstadium nur eine seiner acht Zellen entnommen. Das ähnelt der Technik, mit der Embryonen nach einer künstlichen Befruchtung im Reagenzglas, der In-vitro-Fertilisation, auf Erbkrankheiten untersucht werden. Die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland allerdings auch verboten.

Vertreter von Politik und Kirchen sehen dennoch keinen Anlass, das Embryonenschutzgesetz zu überdenken. Zwar sei innerhalb der katholischen Kirche ein Diskussionsprozess im Gange „über die Frage, was genau ein Embryo ist“, sagte der Theologe Ludger Honnefelder dem Tagesspiegel. Aber wenn bei dem Verfahren einem Achtzeller eine Zelle entnommen werde, die totipotent sei, also fähig, sich wieder zu einem Embryo zu entwickeln, so gebe es „keinen Zweifel, dass das menschliches Leben ist“. Damit ändere sich nichts an der ablehnenden Haltung der katholischen Kirche, embryonale Stammzellen zu Forschungszwecken zu gewinnen.

Ähnlich äußerte sich die forschungspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Ilse Aigner (CSU): „Diese Methode ändert nichts an der ethischen Problematik und ist damit nach dem Gesetz verboten.“ Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Reinhard Loske zeigte sich skeptisch, „ob dieser Forschungsansatz die Zukunftsmusik ist, auf die die Politik hören sollte“. Das Verfahren laufe auf die „Verzweckung von menschlichem Leben“ hinaus und setze „die gezielte Erzeugung von Embryonen im Reagenzglas und deren Selektion“ voraus. Tsp

Seite 23 und Meinungsseite

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben