Standardgewehr G36 mit Mängeln : Ministerium will "Aus dem Einsatz lernen" - aber was?

Das Bundesverteidigungsministerium unter der Leitung von Thomas de Maiziere antwortet auf Nachfrage stets, das Standardgewehr der Bundeswehr, das G36 von Heckler & Koch sei "bei bestimmungsgemäßem Gebrauch handhabungs-, funktions-, betriebs- und treffsicher". Kritiker bezweifeln das. Dokumente zeigen, dass man im Bendlerblock zumindest um die Probleme weiß.

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Soldat im Afghanistan-Einsatz mit dem Gewehr G36
Soldat im Afghanistan-Einsatz mit dem Gewehr G36Foto: dpa

Immer wieder haben sich einzelne Soldaten in den vergangenen Jahren an den Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) gewandt. Ihr Problem: Das Standardgewehr G36 erweise sich im Einsatz, zumal im heißen Afghanistan, als zuweilen untauglich. Im Dauerbeschuss laufe das Rohr heiß und die Treffsicherheit sinke - was die Gefahr von "friendly fire", also den Beschuss eigener Leute, erhöhe. Eine 2012 anberaumte interne Untersuchung durch die Wehrtechnische Dienststelle 61 in Meppen bestätigte dann dem Ministerium unter Leitung von Thomas de Maiziere (CDU), dass bei Schnellfeuer nach 150 Schuss Ziele in einer Entfernung über 300 bis 400 Meter nicht mehr zuverlässig getroffen werden.

In einem Dokument mit dem Titel „Aus dem Einsatz lernen 4/2012, Einsatzauswertung Heer“, aus dem das ZDF-Magazin "Frontal 21" in einer Sendung Ende 2012 zitierte, heißt es:

„Durch Truppe im Einsatz wurde eine mangelnde Wirksamkeit des G36 festgestellt. Dies liegt zum einen an der Wirksamkeit der Munition, die für Kampfentfernungen über 300-400m nur bedingt geeignet ist, zum anderen aber auch an der falschen Handhabung des Sturmgewehr G36 im Feuerkampf. In den Medien wurden Aussagen über ein Absinken der Treffleistung der Waffe bei heiß geschossenem Rohr gemacht. Diese Angaben konnten bisher durch Beobachtungen aus dem Einsatz nicht belegt werden, jedoch haben Versuche an der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD91) diesen Sachverhalt im Wesentlichen bestätigt. Der Treffkreis bei heiß geschossener Waffe (nach 60 Schuss im Dauerfeuer/schnell aufeinander folgenden Feuerstößen) kann sich um mehr als das doppelte ausweiten (siehe Bilder). Somit liegt dann nur noch etwa die Hälfte der Schüsse im Ziel. Bei zunehmender Kampfentfernung erweitert sich der Streukreis entsprechend, die Treffwahrscheinlichkeit sinkt weiter.“

Das Bundesverteidigungsministerium interpretiert das so:

Das Gewehr hat keine Mängel, die Änderungen an der Konstruktion nötig machen.

Wenn nötig, müsse der Soldat das Gewehr abkühlen lassen.

Im Übrigen stehe ihm nicht nur das G36 zur Verfügung, sondern ein ganzer Satz an Waffen, von der Pistole bis zur Panzerfaust, die einsatz- und missionsgerecht das ganze Spektrum bis zu einer Reichweite von 1000 Metern abdecken. Für Dauerbeschuss sei das G36 nicht ausgelegt.

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