Start von "GovData" : Bundesregierung will Daten-Portal freischalten

Auf der Seite "Gov-Data" werden öffentlich zugängliche Daten von Bund, Ländern und Kommunen gesammelt. Heute soll die Beta-Version des Portals online gehen. Doch Online-Aktivisten kritisieren das Projekt.

von
Open-Data-Aktivisten kritisieren die Lizenspolitik der Bundesregierung bei der Freigabe der Daten. Foto: dpa
Open-Data-Aktivisten kritisieren die Lizenspolitik der Bundesregierung bei der Freigabe der Daten.Foto: dpa

Die Bundesregierung wird im Laufe des Dienstags die Beta-Version des Portals „GovData“ freischalten. Das gab das Bundesinnenministerium am Montag bekannt. Die Seite sammelt öffentlich und im Internet zugängliche Daten von Bund, Ländern und Kommunen, zum Beispiel Bevölkerungsstatistiken, Umweltdaten, Wirtschaftsdaten und Geodaten. Sie kommt damit in Teilen Forderungen der Open-Data-Bewegung nach. Deren Vertreter fordern, der Staat müsse Daten, die er erhebt und verwaltet, allgemein zugänglich machen, damit sowohl einzelne Bürger als auch Unternehmen darauf zugreifen können.

Auf „GovData“ werden zum Start der Testversion 1040 Datensätze verfügbar sein, darunter auch der Bundeshaushalt. „Neue“ Daten im Sinne von zu diesem Zweck neu digitalisierte Daten finden sich allerdings nicht. Ziel des Portals sei es vielmehr, den Zugang zu bereits im Netz verfügbaren Daten zu bündeln. Man erhoffe sich mehr Übersichtlichkeit, hieß es aus dem Bundesinnenministerium, schließlich werde in Deutschland ein großer Teil der Datensätze von Ländern und Kommunen verwaltet. Das Ministerium hofft, dass das Portal eine Art „Sogeffekt“ entwickelt und Länder und Kommunen in Zukunft mehr Daten öffentlich zugänglich machen. Das Kalkül: Wenn Bürger oder Unternehmen nach bestimmten Datensätzen zur Stadt A suchen, sie aber nur für Stadt B finden, werden sie Stadt A unter Druck setzen, damit auch diese die Daten zur Verfügung stellt.

 „GovData“ wird auf einer Unterseite auch eine Übersicht über verschiedene Apps bieten, die mit den Daten arbeiten. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für offene Kommunikationssysteme, die die Plattform mit entwickelt haben, gehen davon aus, dass die Bürger in der Regel weniger die „Rohdaten“ nachfragen werden. Sie hoffen deshalb, dass Unternehmen anhand der Daten neue Anwendungen und Geschäftsmodelle entwickeln. Eine erfolgreiches deutsches Beispiel für eine solche Anwendung ist die App „Öffi“ , die sich bereits auf vielen Smartphones findet und Verbindungen für zahlreiche öffentliche Nahverkehrssysteme liefert sowie den Telefonbesitzer zu Haltestellen lotst. Weitere Ideen sind praktisch unbegrenzt. Als Beispiel nannte Beate Lohmann eine App, die in Frankreich entwickelt wurde, nachdem dort das Baumbestandskataster veröffentlicht wurde. Das Programm ermöglicht es Allergikern bei der Wohnungssuche die Pollenbelastung in einer Nachbarschaft zu ermitteln.

Seite 1 von 2 Artikel auf einer Seite lesen
» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben