Stasi-Vorwürfe : Gysi droht Journalisten

Sein Verzicht auf eine Berufungsverfahren war in den Medien als Schuldeingeständnis gewertet worden. Doch Gregor Gysi will die Vorwürfe, er sei inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen, nicht auf sich sitzen lassen.

Jost Müller-Neuhof
213784_0_f039a8d5
Wehrt sich. Gregor Gysi kritisiert die Verurteilung durch die Medien. -Foto: dpa

BerlinLinken-Fraktionschef Gregor Gysi will möglicherweise auch juristisch gegen erneute Behauptungen vorgehen, er sei als inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit tätig gewesen. „All jene politischen Gegner und Journalisten, die hoffen, aus mir etwas machen zu können, was ich nie war, werden auch diesmal scheitern“, sagte er am Wochenende in Cottbus. „Auch gegen die neue Kampagne werde ich mich angemessen wehren.“ Er kritisierte die Stasiunterlagenbeauftragte Marianne Birthler, die ihm vorwirft, „wissentlich und willentlich“ an die Stasi berichtet zu haben. Sie werde „als Archivarin bezahlt“, versuche sich aber bei ihm „als eine Art Polizeiermittlerin aufzuspielen“. Er habe zu keinem Zeitpunkt wissentlich und willentlich mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet, betonte Gysi.

Angeblich sei Gysi "ungeeignet" gewesen

Vergangene Woche hatte der Rechtsanwalt seine Klage gegen die Herausgabe von Unterlagen aus dem Jahr 1979 zu seinem früheren Mandatsverhältnis zum DDR-Regimekritiker Robert Havemann zurückgezogen, nachdem ein Zeuge aufgetaucht war, der Gysi als Stasi-IM belastet. Während Gysi auf dem Parteitag der Linken mit Stellungnahmen zu dem Thema sparte, bezog er über den Pressedienst der Fraktion deutlich Position. Er verwies darauf, dass die Stasi für ihn erst ab 1980 einen sogenannten „IM-Vorlauf“ angelegt habe, mit dem er auf seine Tauglichkeit als Spitzel geprüft werden sollte. Er sei jedoch als „ungeeignet“ abgelehnt worden, betonte Gysi. Ferner sei gegen ihn eine „operative Personenkontrolle mit ausführlicher Begründung“ eröffnet worden. Für Havemann habe er sich „entsprechend meinen Möglichkeiten“ engagiert, es habe weder weitere Strafverfahren noch Beschlagnahmen oder Durchsuchungen gegeben. Auch sei der Hausarrest aufgehoben worden, und er, Gysi, habe verhindert, dass sich ein Stasi-Spitzel auf dem Havemann-Grundstück ein Haus kaufen konnte. Die Medien ignorierten ihn Entlastendes, kritisierte er.

Birthler folgert aus den Dokumenten, Gysi sei förmlich als Stasi-IM einzustufen. Gysi rechtfertigt sich damit, er habe die Informationen nicht selbst an die Stasi weitergegeben, sondern sei abgeschöpft worden. 

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben