Politik : Stationierung nach heftigen Protesten der albanischen Bevölkerung vorerst abgebrochen

Mit Straßenblockaden hat die albanische Bevölkerung in der Kosovo-Stadt Orahovac am Montag ihre Proteste gegen die geplante Stationierung russischer KFOR-Truppen vorerst verhindert. Mehrere Zugangsstraßen der Stadt im Süden des Kosovo wurden vom frühen Morgen an mit Traktoren und anderen Hindernissen versperrt. Ein russisches Vorauskommando musste daraufhin umkehren. Die KFOR machte wenig später in Pristina deutlich, dass die Russen trotz der Proteste in Orahovac einrücken werden.

KFOR-Sprecher Major Roland Lavoie sagte: "In Übereinstimmung mit dem Helsinki-Abkommen werden die russischen Soldaten von heute an schrittweise ihren Verantwortungsbereich in Orahovac übernehmen. Die (dort bislang stationierten) niederländischen Truppen werden innerhalb des Südens verlegt. Die Ankunft der sehr geübten und professionellen KFOR-Soldaten in dieser Gegend wird die Fähigkeit der KFOR verbessern, Sicherheit in der Region herzustellen." Der Oberkommandierende der russischen Luftlandetruppen, Generalleutnant Georgij Schpak sagte in Moskau: "Wenn wir heute nicht durchkommen, dann morgen." Die Russen hätten eine Friedensmission in Orahovac zu erfüllen. "Und die Mission wird erfüllt", betonte er.

Die Albaner lehnen die russischen KFOR-Einheiten unter Hinweis auf russische Söldner ab, die während des Krieges im Kosovo auf serbischer Seite gekämpft haben. In einer Erklärung betonte der albanische Rat in Orahovac, die Bevölkerung werde ihre Aktionen gegen die Russen "mit allen Mitteln und in allen Formen" fortsetzen. Vor der Blockade gab es über Wochen Demonstrationen Tausender Menschen gegen die Russen in Orahovac.

Unterdessen lieferte die serbische Bevölkerung in Orahovac weiterhin ihre Waffen ab. Die KFOR berichtete am Montag, es seien inzwischen mehr als 500 Waffen abgegeben worden. Die Friedenstruppe hatte bei der Festnahme von drei mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechern am Freitag in Orahovac auch eine Liste mit Waffenbesitzern sichergestellt. Die UN-Mission im Kosovo (Unmik) teilte am Montag mit, die drei Serben sollten im Kosovo vor ein Gericht des neuen Justizwesens gestellt werden. Sie seien auf Initiative der UN-Mission hin festgenommen worden. Den Männern wird eine Beteiligung an Morden und Brandschatzungen vorgeworfen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte zurückkehrende Kosovo-Albaner am Montag vor "unrealistisch hohen Erwartungen" an die Nothilfe. "Sie nehmen an, dass das UNHCR und andere genug Material bereitstellen, um ihre Häuser wieder ganz aufzubauen", sagte UNHCR-Sprecher Ron Redmond. Von den mehr als 800 000 Vertriebenen seien inzwischen 761 000 zurückgekehrt. Die UN-Polizeitruppe hat am Montagmorgen in der Kosovo-Hauptstadt Pristina die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit übernommen.

Die Leichen von 17 Kosovo-Roma sind vor der Küste von Montenegro entdeckt worden. Wie die Zeitung "Vijesti" in ihrer Montagsausgabe berichtete, kamen die Menschen bei dem Versuch der Adria-Überquerung in einem Menschenschmugglerboot ums Leben. Das Schiff sank am Freitag rund 50 Kilometer vor der Küste. Ein vorbeifahrendes Schiff rettete 69 Passagiere.

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