Politik : Statt Bisky eine Biskyne - Die PDS will eine Frau an der Spitze - eine nette (Glosse)

Carsten Germis

Die PDS kann sich bei der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel bedanken. Wäre die Mecklenburgerin nicht als Nachfolgerin Wolfgang Schäubles an die Spitze der Christdemokraten gerückt, hätte der Parteivorstand der PDS im Berliner Karl-Liebknecht-Haus gestern wahrscheinlich Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch als neuen Parteivorsitzenden vorgeschlagen.

Nun soll es die Thüringer PDS-Fraktionschefin Gabriele Zimmer werden. Außerhalb ihres Bundeslandes ist die neue Hoffnungsträgerin bislang kaum aufgefallen. Das muss kein Fehler sein. Es zeigt aber, wie dünn die Personaldecke der Partei ist, wenn es gilt, herausragende Führungsämter zu besetzen. Und eine Frau - von der CDU lernen heißt siegen lernen - musste es eben sein. Zwei Männer an der Spitze von Partei und Fraktion wären in der PDS, die sich so gerne fortschrittlich gibt, nicht mehr durchzusetzen.

Gabriele Zimmer ist eine Kompromisskandidatin. Wird sie berufen, dann nicht obwohl, sondern weil sie so unbekannt ist. Anders als Petra Pau: Die Berliner PDS-Chefin hätte das Amt auch angenommen. Doch die Zahl ihrer innerparteilichen Gegner war zu groß. In der engeren Parteiführung hat die PDS lange die reine Männerlösung favorisiert. Bartsch sollte dem amtsmüden Lothar Bisky auf den Platz des Parteichefs folgen, und der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer Roland Claus sollte Gregor Gysi als Fraktionschef beerben. So dachten sich das die Herren. Aber dann kam, wie gesagt, Angela Merkel. Eine Frau. Aus dem Osten. Und das bei der CDU. Sollten die Sozialisten da nachstehen? Am Ende ist ja auch egal, wer unter ihnen Vorsitzende wird - scheinen sich die sozialistischen Eminenzen zu denken.

Zimmer wird, wie Bartsch und Pau, zum Reformflügel in ihrer Partei gezählt. Wie weit und wie energisch sie im neuen Amt, in das sie im Oktober in Cottbus gewählt werden soll, den Modernisierungskurs der PDS vorantreiben wird, kann heute niemand sagen. Der 45-jährigen gelernten Dolmetscherin wird zugetraut, integrierend zu wirken und die streitenden Flügel zusammenzuhalten, heißt es. Ganz so wie es Lothar Bisky immer getan hat - um den Preis, dass Konflikte immer wieder unter den Teppich gekehrt wurden. Das ist just jener Weg, der zur Niederlage der Reformer beim Parteitag in Münster geführt hat.

Bisky und Gysi haben sich anlässlich ihres Abschiedes angewöhnt, immerzu allerlei zu fordern. Unter anderem sagen sie, die Reformer müssten den Streit mit den Traditionalisten in der Partei, mit den rückwärtsgewandten Ostalgikern und den Sektierern, zuspitzen. Andernfalls drohe die Gefahr, dass die Partei als Auffangbecken widersprüchlicher Kräfte den Anschluss an die Gesellschaft der Bundesrepublik nicht schafft. Wenn Zimmer jetzt vor allem gelobt und einstimmig vorgeschlagen wird, weil sie integriert wie ihr Vorgänger, ist das eher ein Zeichen für Mutlosigkeit. Es klingt so, als habe sich die PDS doch einen neuen Bisky ausgeguckt. Nur mit Lippenstift eben.

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