Politik : Statt Bomben eine Entschuldigung – die erste Jahrestag des Bloody Friday:

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Von Martin Alioth, Dublin

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) hat sich am Dienstagabend erstmals bei den Angehörigen ihrer zivilen Opfer entschuldigt und eigene Fehler eingeräumt. Für die Hinterbliebenen ihrer Opfer bei Militär und Polizei brachte die verbotene Untergrundorganisation immerhin noch „Verständnis für ihren Schmerz“ auf. Die beispiellose IRA-Erklärung schloss mit dem unverbrüchlichen Bekenntnis zum nordirischen Friedensprozess.

Äußerer Anlass der Verlautbarung ist der 30. Jahrestag von „Bloody Friday“, einer rücksichtslosen Serie von IRA-Bombenanschlägen, denen vor allem Zivilisten zum Opfer fielen. Doch der politische Kontext ist wesentlich breiter: Der britische Premierminister Tony Blair hat gerade am Dienstag nochmals versprochen, sich bis zum kommenden Mittwoch zur kniffligen Frage zu äußern, wie die endgültige Abkehr der IRA von der Gewalt gemessen werden soll. Er steht unter beträchtlichem Druck seitens der nordirischen Protestanten, die mit der IRA verflochtene Sinn Fein-Partei aus der nordirischen Regierung zu bannen, weil die IRA selbst in Kolumbien und anderswo ihre Arsenale aufgebaut und getestet habe.

Der Ausschluss Sinn Feins galt als unwahrscheinlich, aber das Bedürfnis der Protestanten, Gewissheit über die friedlichen Methoden ihrer Regierungspartner zu erlangen, muss ernst genommen werden – zumal jetzt, wo die Paradensaison der Protestanten diesmal erstaunlich friedfertig verlaufen ist. Die Bereitschaft der IRA, ihre Mitverantwortung für das Blutvergießen einzugestehen, stellt einen psychologisch wichtigen Schritt auf dem Weg zur Normalisierung dar.

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