Politik : Steakexporte und IWF-Empfehlungen im Reisegepäck

Joachim Schucht

Pünktlich zur Landung von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Buenos Aires verließ das erste Schiff mit Frischfleisch den Hafen in Richtung Europa. Nach fast einjähriger Importsperre dürfen ab sofort wieder argentische Steaks in der EU verkauft werden. Damit ist der bankrotte Staat am Rio de la Plata zwar nicht zu retten. Die Geste blieb trotzdem das einzig Konkrete, was Gerhard Schröder neben vielen aufmunternden Worten für die Argentinier im Reisegepäck hatte.

Die Hoffnung der Gastgeber, Schröder werde neue internationale Kredite in Aussicht stellen oder gar eigene deutsche Hilfsofferten auspacken, erwies sich als Illusion. Offenbar hat es sich nicht bis Argentinien herumgesprochen, dass der Kanzler gerade wegen eigener Haushaltsprobleme in Brüssel mit einem blauen Auge davonkam.

Schröder versicherte dem Präsidenten Eduardo Duhalde, er werde das für Deutschland Mögliche tun, um im Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Unterstützung Argentiniens beizutragen. Aber er mahnte ihn seine Hausaufgaben zu erledigen: Das von dem fünften Staatschef innerhalb weniger Wochen vorgelegte Notprogramm reiche nicht aus, um vom Währungsfonds in Washington zusätzliche Dollar-Milliarden zu bekommen. Und auch nach dem Geschmack der Deutschen enthält der Haushaltsentwurf der Regierung immer noch zu viele geschönte Zahlen und zu viel "kreative Buchhaltung".

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