Politik : Steckt Hisbollah hinter Anschlägen?

Clemens Wergin

Berlin - Westliche Sicherheitskreise haben Informationen darüber, dass die libanesische Hisbollah ihr Engagement im Irak seit Beginn des Jahres intensiviert. Demnach unterhält die Terrororganisation Verbindungsstellen in Bagdad, Nadschaf, Basra und Nasirijah. Außerdem soll sich Hisbollah an Rekrutierung und Ausbildung der Mehdi-Miliz von Schiitenführer Muktada al Sadr beteiligt haben. Der Anschlag auf eine Polizeistation am 21. April in Basra mit fast 70 Toten soll auf das Konto der Hisbollah gehen.

Die schiitische Hisbollah, 1982 in Libanon gegründet, wurde bekannt durch ihren Kampf gegen die israelische Besetzung. In westlichen Sicherheitskreisen war man auf das intensivere Irakengagement der Terrororganisation aufmerksam geworden, weil Hisbollah-Medien im März und April von Feierlichkeiten für „Märtyrer“ der Hisbollah berichteten, ohne dass gesagt wurde, wo diese den Tod fanden. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah soll Hinweise auf Märtyrertode daraufhin verboten haben, um Aufsehen zu vermeiden. Seitdem geben Hisbollah-Medien als Todesursache meist „ernsthafte Krankheiten“, „Autounfälle“ oder auch „Trainingsunfälle“ an.

Hisbollah hat Interesse daran, ihre Aktivitäten im Irak zu verheimlichen, weil sie befürchtet, ins Visier der USA zu geraten. Muktada al Sadr finanziell und logistisch zu unterstützen, scheint aber nur ein Teil der Hisbollah-Strategie zu sein, auch, weil al Sadr als unberechenbar gilt. So hat er sich offenbar einen Rüffel von Hisbollah-Führer Nasrallah eingehandelt, weil er Anfang April öffentlich verkündet hatte, Hisbollah-Zweigstellen im Irak eröffnen zu wollen und sich als irakischer Arm der Hisbollah anbot. Eine Publizität, die weder die Hisbollah noch deren Schutzmacht Iran gebrauchen können, die Hisbollah im Irak als Mittel der politischen Einflussnahme benutzt.Teheran will offenbar nicht direkt in Erscheinung treten, weil man wegen des Atomprogramms schon genug Ärger mit den Amerikanern hat. Unabhängig von der Hilfestellung für al Sadr soll Hisbollah eigene Terrorzellen aufbauen und Schiiten dafür rekrutieren und ausbilden. Die Zahl ihrer Kämpfer im Irak wird auf einige Hundert geschätzt.

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