• Stegner fordert Carstensen – in 20 Monaten SPD Schleswig-Holsteins kürt ihren Landeschef

Politik : Stegner fordert Carstensen – in 20 Monaten SPD Schleswig-Holsteins kürt ihren Landeschef

Kiel - Schleswig-Holsteins SPD hat am Samstag in Lübeck auf einem Landesparteitag ihren Landesvorsitzenden Ralf Stegner zum Herausforderer für Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) gekürt – 20 Monate vor der anstehenden Landtagswahl. Trotz seines sehr guten Ergebnisses von 97 Ja-Stimmen, acht Gegenstimmen und einer Enthaltung erfolgte die Wahl nicht kritiklos.

Kritiker werfen Stegner vor, mit dieser Entscheidung viel zu früh in einen Wahlkampf zu starten. Ein älterer Delegierter sagte: „Das ist eine sehr lange Zeit. Ich hoffe, wir halten das durch. Schon vor der Wahl 1979 mit Klaus Matthiesen als Stoltenberg-Herausforderer ist das einmal schief gegangen.“ Aber den Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein missfällt nicht allein die Personalie des Inthronisierten, zumal es im Land zwischen den Meeren diesbezüglich keine Alternativen gibt, es wird eher die Taktik für die Landtagswahl in Frage gestellt. Genau aus diesem Grund vermutet Stegner, der als Bundesvorstandsmitglied Parteieskapaden gewohnt ist, Heckenschützen in den eigenen Reihen. Er sagt: „Wer Kritik am Ablauf formuliert, meint vielleicht in Wirklichkeit mich.“

Demonstrativ stärkte ihm am Samstag die gesamte Familie den Rücken. Ganz nach US-amerikanischem Vorbild verfolgten neben seiner Ehefrau diesmal auch seine drei Söhne den Parteitag. Stegner selbst will künftig an seiner Außenwahrnehmung arbeiten. Immer öfter trifft man ihn neuerdings ohne sein Markenzeichen Fliege an. Er hat sich sein Wahlkampfkonzept bereits zurecht gelegt. Hausbesuche, Betriebsbesichtigungen sollen intensiver als zuvor einen Kandidaten zum Anfassen vermitteln, einen emotionalen Stegner, nicht den Akademiker und Harvard-Absolventen.

Für die Stegner-Kür wurden die erfolgreichen Jahre der SPD in Schleswig-Holstein bemüht. Unter dem Motto „Stark im Norden“ erschien erstmals seit 1994 der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende und frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Björn Engholm auf einem Parteitag. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit war als Gastredner aber gedanklich in Rheinland-Pfalz. „Der Abgang Kurt Becks durch die Hintertür war für uns als Partei absolut unwürdig.“ Als Wowereit dann Becks Verdienste ansprach, gab es lauten Beifall.

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