Steigende Immobilienpreise : Finanzministerium will Kreditblase verhindern

Die Preise steigen, Wolfgang Schäuble sieht aber noch keine Immobilienblase in Deutschland. Damit das so bleibt, soll die Finanzaufsicht Banken und Bürgern Auflagen machen können.

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Immer mehr neue Eigenheime.
Immer mehr neue Eigenheime.Foto: dpa

Das Bundesfinanzministerium sieht derzeit keine Immobilienblase in Deutschland. Will heißen: Der zumindest regional massive Preisauftrieb bei Immobilien und die steigenden Mieten ist noch nicht so hoch, dass im Ressort von Wolfgang Schäuble die Alarmglocken schellen. Doch gibt es schon Indizien für eine Blasenbildung. Die Preise für Wohnungen und Häuser, ob neu oder alt, sind zuletzt weitaus stärker gestiegen als die Mieten und die allgemeine Inflation. Nach dem Preisindex des Instituts Empirica lag das Plus deutschlandweit seit Anfang 2012, also in nur gut vier Jahren, bei mehr als 30 Prozent. In manchen Regionen schossen die Preise noch weit stärker nach oben. Das Institut sieht die Blasengefahr nicht gebannt und erwartet weiter steigende Preise. Schon im August warnte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung: „In immer mehr Regionen deutet der Anstieg der Preise für Wohnhäuser auf übersteigerte Preiserwartungen und damit die Gefahr einer Immobilienblase hin.“

Niedrige Zinsen verlocken

Die Gründe liegen auf der Hand: Niedrige Zinsen verlocken zu Bau und Kauf, doch es wird insgesamt zu wenig gebaut, vor allem in beliebten Zuzugsregionen fehlt es auch an Bauland. Daher steigen die Preise nicht zuletzt in Berlin und Umgebung und Uni-Städten wie Freiburg oder Regensburg, aber auch im Umland von München besonders stark. Entsprechend ist die Spekulation auf weiter steigende Preise dort ein Treiber der Entwicklung.

Wie weit das schon mit einer Kreditblase einhergeht, ist weniger klar. Zur Erinnerung: Die geplatzte Kreditblase in den USA (viele Immobilienkredite wurden wegen steigender Zinsen und fallender Hauspreise faul) löste vor fast zehn Jahren die weltweite Finanzkrise aus. Eine exzessive Vergabe von Hypothekenkrediten hat es, auch wegen dieser Erfahrung, in Deutschland nicht gegeben. Die Bundesbank sieht nur eine moderat steigende Kreditvergabe. Andererseits gibt es Berichte, wonach Finanzierungen mittlerweile häufiger auch ohne Eigenkapital eingegangen werden.

Erste Warnsignale

Daher sind im Finanzministerium die ersten Warnsignale angesprungen. Jedenfalls hat Schäuble in dieser Woche einen Gesetzentwurf an seine Kabinettskollegen verschickt, der die „Abwehr einer drohenden Gefahr für die Finanzstabilität“ zum Ziel hat. Genauer gesagt geht es darum, den Banken Vorschriften für die Kreditvergabe zu machen, um eben eine Kreditblase zu verhindern. Dazu sollen vier Instrumente eingeführt werden, welche die Bankenaufsicht anwenden darf. Zum einen ist das eine Deckelung des Fremdfinanzierungsanteils. Zweitens soll vorgegeben werden können, in welcher Zeit ein Kredit getilgt werden muss. Zudem sollen die Banken keine Darlehen vergeben, wenn das Einkommen eine bestimmte Schuldenhöhe nicht rechtfertigt. Auch eine Mindesttilgung könnte auferlegt werden.

Das Ziel ist, die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten zu verringern und damit auch die möglichen Verluste von Banken. Freilich gelten die Vorschriften nur für neue Immobilienkredite, bestehende Darlehen und solche für Renovierungen fallen nicht darunter. Für Kleinkredite und Anschlussfinanzierungen können Ausnahmen gelten. Die Finanzaufsichtsbehörden sollen die Instrumente aktivieren, wenn sie Anzeichen haben, dass die Kreditvergabe die Finanzstabilität untergräbt.

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