Steinbrück, Gabriel und Co. : Jetzt beginnt das große Zittern

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl steigt die Nervosität - vor allem bei der SPD. Dort stimmt die Tonalität zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mal wieder nicht. Außerdem gibt es Störfeuer aus Hamburg. Doch auch in der Union beginnt das Zittern.

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und SPD-Chef Sigmar Gabriel.
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und SPD-Chef Sigmar Gabriel.Foto: dpa

Mit Verschwörungstheorien, Verdächtigungen und großer Nervosität gehen die Parteien, vor allem die SPD, in die entscheidende Wahlkampfphase. Ein Anlass ist der Erpressungsversuch wegen der womöglich illegalen Beschäftigung einer philippinischen Putzfrau vor 14 Jahren, über den SPD-Kandidat Peer Steinbrück die Öffentlichkeit selbst informiert hat. Darum ranken sich jetzt verschiedene Spekulationen, denn Steinbrück hatte anfangs den Eindruck vermittelt, es handle sich um ein weiteres Wahlkampfmanöver, das ihm schaden solle. Diese Sichtweise hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel verstärkt, indem er vom „bisher absoluten Tiefpunkt“ in einem „schmutzigen Wahlkampf“ sprach. Die Generalsekretäre von Union und FDP wollten sich verabredungsgemäß nicht äußern, weil sie darin eine Falle vermuteten: Käme der bisher unbekannte Erpresser aus ihren Reihen, würde die SPD daraus womöglich politisches Kapital zu schlagen versuchen.

Steinbrück offenbarte einen Tag später aufs Neue die unzureichende Verständigung innerhalb der SPD-Spitze. Der Kandidat distanzierte sich von der Lesart seines Vorwurfs, dieser Wahlkampf gehe weit über das hinaus, was akzeptabel sei, indem er der „Saarbrücker Zeitung“ sagte, die Erpressung habe „erkennbar nichts mit dem Wahlkampf konkurrierender Parteien zu tun“. Der Täter sei wahrscheinlich eine Einzelperson aus seinem Wohnumfeld in Bonn. Nachfragen bei der SPD, wie das alles zusammenpasse und zu verstehen sei, liefen ins Leere.

Der SPD-Kandidat selbst hatte mit der Anzeige gegen unbekannt wegen Nötigung die Initiative ergriffen. In der Partei war keine andere Wahl gesehen worden. So sollte erwartbar kritischen Berichten der Ruch der Enthüllung genommen werden, außerdem zeigte sich die SPD in den jüngsten Umfragen gerade etwas erholt. Von 23 Prozent stieg sie bis auf 28.

Hinzu kommt eine weitere parteiinterne Auseinandersetzung. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, auch SPD-Vize, hat erneut Distanz zur Wahlkampfführung und der Parteispitze erkennen lassen. Er wünscht sich eine Hinwendung zu wirtschaftsfreundlicherer Politik und sozialliberaler Ausrichtung. Das wird in der SPD-Führung klar als Positionierung für den Fall der zu erwartenden Niederlage gewertet. Scholz bringe sich damit in Stellung für die Übernahme des SPD-Vorsitzes, hieß es.

Die Union wiederum wird wegen der „Alternative für Deutschland“ (AfD) jetzt doch nervös. Umfragen taxieren die Euro- Kritiker bei vier Prozent, Tendenz steigend. Dazu befürchtet die CDU Lethargie ihrer Sympathisanten, die denken könnten, die Wahl sei schon gelaufen.

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