Steinmeiers Essay zu Europa : Varianten

Der Außenminister macht klar: Es gibt immer eine Alternative. Dabei hat er besonders eine Leserin im Kopf. Ein Kommentar.

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Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel am 14. September 2016.
Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel am 14. September 2016.Foto: Reuters

Da ändert sich was – und er ändert was: Frank-Walter Steinmeier. Er ist eben nicht „Merkel männlich“, unentschlossen, bis feststeht, wohin die Mehrheit tendiert, mit Pragmatismus als neuer politischer Ideologie. Nein, der Außenminister zeigt Ambition durch Konfrontation. Sein neues Büchlein, „Europa ist die Lösung“, im Blick auf Churchills berühmte Rede, belegt das. Er konfrontiert den Leser mit der neuen Wirklichkeit – und man wünschte sich eine privilegierte Leserin: Angela Merkel. Steinmeiers Entschlossenheit liegt auch in der Bereitschaft zur Abgrenzung, mehr und mehr, von einer Politik, die sich alternativlos nennt, sich damit aber ihrer Spielräume begibt, ob gegenüber der Türkei, Russland, der Ukraine, Syrien. Es braucht Varianten! Je nach Fall kann es, muss es härter oder konzilianter im Umgang mit Thema und Protagonisten zugehen. Und überhaupt, wie unlogisch ist das, alternativlos auch nur zu denken: Es gibt immer eine Alternative. Sie liegt schlicht im Tun oder im Lassen. Weil Steinmeier aber tief eingetaucht ist in die Welt des Diplomatischen, nennt er Merkel bei seiner Kritik nicht ein einziges Mal beim Namen. Auf diese Weise macht er es der Kanzlerin eigentlich einfach, sich damit auseinanderzusetzen. Zumal da auch noch die Mahnung von neulich im Raum steht, dass Deutschland eine nachdenkliche Großmacht sei. Wer, wenn nicht die Regierenden, muss das als Auftrag verstehen.

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