Sterbehilfe : Union fordert Einschreiten gegen Dignitas

In der Union ist die Empörung über die Sterbehilfeorganisation Dignitas groß, die zwei Deutschen in der Schweiz beim Suizid auf einem Parkplatz behilflich war. Ähnliche Fälle in Deutschland sollen nun per Gesetz verhindert werden.

Kerstin Münstermann[ddp]
Minelli
Ludwig Minelli, Gründer der Dignitas. -Foto: dpa

BerlinNach den beiden Aufsehen erregenden Sterbehilfe-Fällen von zwei Deutschen in der Schweiz wird über ein Verbot von Sterbehilfeorganisationen in Deutschland debattiert. Vor allem Politiker der Union nehmen die Schweizer Sterbehilfeverein Dignitas mit Ableger in Deutschland aufs Korn. "Es werden Geschäfte mit dem Tod gemacht. Das können wir nicht dulden", sagte Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU). Die FDP lehnt dagegen eine gesetzliche Neuregelung ab. Die Deutsche Hospiz-Stiftung sprach von "Geschäftemacherei mit dem Tod".

Ziel von Vereinen wie Dignitas sei nicht die Hilfe beim Sterben. Vielmehr sei es deren Geschäftszweck, den Suizid zu unterstützen. "Das ist mit der Menschenwürde nicht vereinbar", betonte Bosbach. Der CDU-Innenexperte unterstützt eine Bundesratsinitiative der Bundesländer Saarland, Thüringen und Hessen. Die unionsgeführten Länder hatten bereits im April 2006 den Entwurf eines Gesetzes zum Verbot der geschäftsmäßigen Vermittlung von Gelegenheiten zur Selbsttötung eingebracht. Der Entwurf wird derzeit noch in den Ausschüssen behandelt.

Der behindertenpolitische Sprecher der CDU, Hubert Hüppe, forderte ein hartes Vorgehen gegen Dignitas: "Man muss knallhart durchgreifen, wenn diese Leute meinen, über einen Einzelfall das Gesetz außer Kraft zu setzen".

FDP: Verbote nicht der richtige Ansatz

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sprach sich gegen eine gesetzliche Neuregelung aus. "Verbote sind nicht der richtige Ansatz", sagte Niebel. Wichtiger sei es, verzweifelten Menschen stärker Hilfen anzubieten. Der FDP-Abgeordnete Michael Kauch lehnte ein Verbot ebenfalls ab. Er argumentierte, würde man dem Gesetzentwurf der drei Länder folgen, würde sich auch ein Betreiber einer Webseite, der Informationen zur Selbsttötung gebe, bereits strafbar machen. "Und damit gehen die CDU-regierten Länder definitiv über die Verhältnismäßigkeit hinaus".

Der Vorsitzende der Deutschen Hospizstiftung, Eugen Brysch, kritisierte das Geschäftsgebaren von Dignitas. Seit drei Jahren sei kein Geschäftsbericht mehr veröffentlicht worden. Der Organisation gehe es nicht um "würdiges Sterben, sondern um Geschäftemacherei mit dem Tod". "Und darum, den Voyeurismus anderer zu bedienen", rügte Brysch.

Tod auf dem Parkplatz

Der Verein Dignitas wurde 1998 in Forch-Zürich vom Rechtsanwalt Ludwig Minelli gegründet. Der deutsche Ableger Dignitate wurde 2005 mit Sitz in Hannover ins Leben gerufen. Aktive Sterbehilfe ist in der Schweiz ebenso wie in Deutschland verboten. Anders als in Deutschland erlauben die Gesetze in der Schweiz aber, dass unheilbar kranken Sterbewilligen ein Gift angeboten wird, das diese dann selbst trinken.

Entzündet hatte sich die aktuelle Debatte an dem Tod zweier Deutscher in einem Auto auf einem Waldparkplatz bei Zürich. Mitarbeiter von Dignitas hatten den 50 und 65 Jahre alten Männern Sterbehilfe geleistet. Die Organisation hat nach eigenen Angaben Schwierigkeiten mit örtlichen Behörden, Wohnungen oder Räume für Sterbewillige anzumieten.

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