Steuerhinterziehung : Fall Strauß: Staatsanwaltschaft prüft Revision

Zwölf Jahre hatten die Ermittlungen gedauert, acht Monate die Gerichtsverhandlung: Nun wurde der Politikersohn Max Strauß vom Vorwurf der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe freigesprochen. Doch die Staatsanwälte wollen noch nicht klein beigeben.

AugsburgDie Staatsanwaltschaft will nach dem Freispruch für Max Strauß die Revision prüfen. Man werde das sehr differenzierte Urteil genau analysieren, sagte ein Sprecher der Behörde nach der Urteilsverkündung. Sie hatte für den 48-Jährigen eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten wegen Steuerhinterziehung gefordert. Doch das Augsburger Landgericht sah keine ausreichenden Beweise für den Vorwurf, der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß habe rund 340.000 Euro an Steuern hinterzogen. Zwölf Jahre lang hatten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu dem Fall gedauert.

Max Strauß sagte nach der Urteilsverkündung, er sei "froh". Das Verfahren habe ihn "persönlich und wirtschaftlich fast umgebracht". Nun fühle er sich "bestens". Das Gericht folgte mit dem Freispruch dem Plädoyer der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte Strauß vorgeworfen, als gewerbsmäßiger Lobbyist Provisionszahlungen des Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber in Millionenhöhe nicht angegeben zu haben. In dieser Sache war Strauß bereits 2004 vom Landgericht Augsburg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Der Bundesgerichtshof hob diese Entscheidung jedoch wieder auf und verwies den Prozess zurück nach Augsburg. Das Landgericht begründete nun seinen Freispruch mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs. Demnach konnten die Schreiber-Konten "Maxwell" und "Master" dem Angeklagten nicht zugerechnet werden. "Direkte Beweise gab es nie", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Prexl in seiner Urteilsbegründung. Die Schwester des Angeklagten, die ehemalige bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU), zeigte sich am Rande der Urteilsverkündung erleichtert: "Ich freue mich für meinen Bruder, dass er nach zwölf Jahren endlich ein Urteil hat, das besagt, dass er unschuldig ist." Sie fügte hinzu: "Vielleicht hat er jetzt wieder eine Chance auf ein normales Leben." (mit ddp)

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