Politik : Stichwahl in Ghana: Zwei Professoren hoffen auf die Macht

Christoph Link

Rund zehn der 18 Millionen Ghanaer sind am Donnerstag zur Wahl eines neuen Präsidenten aufgerufen worden. Das westafrikanische Land verabschiedet sich mit demokratischen Wahlen von seinem langjährigen Präsidenten, dem ehemaligen Putschisten und Flugkapitän Jerry Rawlings. In der Stichwahl standen sich zwei Professoren, John Atta Mills und John Kufuor, gegenüber.

Im ersten Wahlgang vor drei Wochen hatte Oppositionsführer John Kufuor, ein 62 Jahre alter Professor für Ökonomie, einen knappen Vorsprung mit 48 Prozent Stimmenanteil erzielt. Sein Konkurrent John Atta Mills, Rawlings politischer Ziehsohn und Vizepräsident, kam nur auf 45 Prozent. Der 56-jährige Mills, Professor für Jura, steht im Schatten des politischen Altmeisters Rawlings. Und mit einer Bemerkung, er werde, falls gewählt, Tag und Nacht den Altpräsidenten um Rat bitten, hat Mills statt Respekt eher abfällige Bemerkungen geerntet.

In den 19 Jahren unter Rawlings hat Ghana einigen wirtschaftlichen Erfolg verzeichnet. Es galt als Wirtschaftswunderland, doch die letzten Jahre waren von einer ökonomischen Krise gekennzeichnet: Der Preis für Kakao und Gold ist stark gefallen. Dies sind die beiden Hauptexportprodukte des Landes, die mehr als zwei Drittel der Ausfuhren ausmachen. Arbeitslosigkeit, Inflation und ein Zerfall der Währung Cedi sind die Folgen für die einst britische "Goldküste".

Das Volk scheint reif für einen politischen Wechsel: Bei den Parlamentswahlen, die vor drei Wochen gleichzeitig mit dem ersten Wahlgang für die Präsidentenkür erfolgten, landete Jerry Rawlings "Neue Demokratische Partei" (NDC) nur auf Platz zwei (92 Sitze im Parlament) und musste der Oppositionspartei "Neue Patriotische Partei" (NPC) den Sieg und 99 Sitze überlassen. "Ob die NDC es will oder nicht, diese Wahl war eine Abstimmung über die Amtszeit von Jerry Rawlings", sagt der Politologe Mike Oquaye in Accra. Die Wähler hätten genug gehabt von der Verletzung von Menschenrechten und dem wirtschaftlichen Niedergang.

Positiv werten politische Beobachter, dass die letzten Wahlkampfwochen friedlich verlaufen sind. Allerdings begann in beiden politischen Lagern eine Schlammschlacht der Worte: John Kufuor wurde vorgeworfen, er habe seine persönlichen Dinge nicht im Griff und sei ein "inkompetenter Geschäftsmann". Zuletzt wurde seiner Partei gar angekreidet, sie habe etwas mit einem Serienmord zu tun, der Accra in den letzten Wochen in Atem hält. Andererseits spart auch die Opposition nicht mit Vorwürfen und brachte in der Presse Enthüllungen über das offenbar skandalöse Privatleben sowie ein angeblich uneheliches Kind von John Atta Mills.

Viele Ghanaer fürchten einen knappen Wahlausgang und ein Nachfolge-Gerangel wie in den USA. Solches könnte in Accra Tumulte auslösen. Der 53-jährige Jerry Rawlings, der trotz sinkender Beliebtheitswerte für viele immer noch als der "Vater der Nation" gilt, hat jedenfalls erklärt, er werde seinen Sessel für den gewählten Nachfolger räumen - sobald er denn feststeht.

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