Stichwahl : Ukraine wählt zwischen Janukowitsch und Timoschenko

Eine Stichwahl entscheidet über den künftigen Präsidenten der Ukraine: Die besseren Chancen hat Oppositionsführer Viktor Janukowitsch.

Nach ersten Ergebnissen hat Janukowitsch bei der Präsidentenwahl am Sonntag 37 Prozent der Stimmen erreicht. Ministerpräsidentin Julia Timoschenko habe 24 Prozent erhalten, teilte die Wahlkommission am Montag nach Auszählung der Hälfte der Stimmen mit. Der frühere Zentralbankchef Sergej Tigipko lag demnach auf dem dritten Rang mit 13 Prozent der Stimmen. Seine Anhänger könnten bei einer Stichwahl den Ausschlag geben.

Es war die erste Präsidentschaftswahl in der Ukraine seit der Orangenen Revolution vor mehr als fünf Jahren. Die damalige Euphorie ist bei den 46 Millionen Einwohnern längst verflogen. Amtsinhaber Viktor Juschtschenko, der einstige Hoffnungsträger der Revolution, kam auf 4,9 Prozent der Stimmen. Er scheiterte nach Angaben von Wahlforschern wegen gebrochener Reformversprechen.

Die Stichwahl ist für den 7. Februar geplant. Die Ergebnisse geben vorerst nur einen Trend wieder. Da das Land  in einen auf nationale ukrainische Werte gerichteten Westteil und in einen russischsprachigen Teil im Osten und Süden gespalten ist, können sich die Werte noch verändern. Ein Abstand von mehr als zehn Prozent dürfte es nach Einschätzung von Wahlforschern für Timoschenko schwermachen, Janukowitsch beim Zweikampf in drei Wochen zu schlagen.

Dem pro-russischen Janukowitsch ist es offenbar gelungen auch mit Hilfe von westlichen PR-Beratern an seinem Image zu arbeiten. Unter anderem musste er dabei eine zweimalige Verurteilung zu Sowjetzeiten wegen Diebstahls und Überfalls in Vergessenheit geraten lassen. Zudem versuchte er, sich etwas von Moskau zu lösen. Im Wahlkampf warb er vor allem um die ukrainisch-sprechenden Bewohner im Westen des Landes und präsentierte sich als Vertreter der Interessen aller Ukrainer.

Timoschenko wiederum war viel im russisch-sprechenden Osten des 46 Millionen Einwohner zählenden Landes unterwegs, um dortige Vorbehalte gegen ihren pro-westlichen Kurs zu zerstreuen. Nach ihren Vorstellungen soll die Ukraine bis 2015 Mitglied der Europäischen Union werden. Auch Timoschenko saß bereits einmal im Gefängnis, 2001 wegen Schmuggelvorwürfen.

Die beiden Rivalen wollen nun bei den übrigen 16 Kandidaten um Unterstützung werben. Besonderes Gewicht hat der Drittplatzierte, der schwerreiche Bankier und Ex-Wirtschaftsminister Sergej Tigipko, der 13 Prozent der Stimmen holte.

Die Wahlbeteiligung in der Ex-Sowjetrepublik lag bei 66,7 Prozent. Die Abstimmung im wichtigsten Transitland der EU für russische Gaslieferungen gilt als demokratisch.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, dpa

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