Stichwort : Die "Kreise" der SPD

Die so genannten Kreise in der SPD haben lange Tradition. Anders als die im Parteistatut vorgesehenen Kommissionen und Arbeitsgemeinschaften agieren sie als Kontakt- und Diskussionszirkel eher inoffiziell am Rande, dennoch aber oft höchst einflussreich.

SEEHEIMER KREIS:

Die Mitglieder dieser Runde zählen zum rechten Parteiflügel, der nach eigenem Verständnis für eine SPD-Politik des Machbaren steht. Vor 30 Jahren aus der Gefolgschaft der Bonner "Kanalarbeiter" hervorgangen, setzen sich die Seeheimer für eine pragmatische, an den finanziellen Möglichkeiten des Sozialstaates orientierte Politik ein. Der Kreis fordert Reformen, die weit über die von Kanzler Gerhard Schröder in der Agenda 2010 formulierten Ziele hinausgehen. Prominentes Mitglied ist unter anderem Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

PARLAMENTARISCHE LINKE (PL): Sie bildet den Gegenpol zu den konservativen Seeheimern und zählt unter den SPD-Abgeordneten in etwa gleich viele Mitglieder. Unter anderem bekennen sich die Parteilinke Andrea Nahles, SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler und Generalsekretär Klaus Uwe Benneter zur PL. Vor allem, wenn Personalentscheidungen anstehen, achten PL wie Seeheimer genau darauf, dass ihre Vertreter nicht zu kurz kommen. Dazu gehen sie mitunter auch gegenseitige Bündnisse ein.

FORUM DEMOKRATISCHE LINKE 21: Die außerparlamentarische Repräsentanz der SPD-Linken ist das Forum Demokratische Linke 21 (DL 21). Diese im Juni 2000 gegründete Organisation ist aus dem Frankfurter Kreis hervorgegangen, in dem sich vor allem in die SPD eingetretene Linke der 68er-Generation engagierten. Die DL versteht sich als offener Diskussionszirkel in der SPD. Über eine Internet- Plattform werden wichtige Grundsatzpapiere ausgetauscht. PL und DL agieren oft in Personalunion.

NETZWERKER: Die im Netzwerk zusammen geschlossenen jüngeren SPD-Parlamentarierer wollen seit 1998 vor allem flügelübergreifend wirksam werden. Dabei soll ihnen das "Netzwerk" gegenseitig bei der Karriere helfen. Zu den prominenten junge Aufsteigern aus ihrem Kreis zählten der frühere Kanzleramtsminister Hans Martin Bury und der ehemalige Verkehrsminister Kurt Bodewig. Als ihr führender Vertreter gilt heute der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel, der inzwischen ein Bundestagsmandat hat und in einer großen Koalition Umweltminister werden soll. Die Netzwerker sorgten für Aufsehen, weil sie entgegen der offiziellen SPD-Linie unter anderem für Studiengebühren, verschärfte Zumutbarkeitsregeln bei Arbeitsplatzangeboten oder für die weitgehende Abschaffung des derzeitigen Beamtentums eintraten. (tso/dpa)

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