Politik : Still stiften gehen

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Ingo Wolf legt sich richtig ins Zeug. Er tauschte den grauen Dreiteiler gegen ein blaukariertes Hemd, zog sich Rollerblades an und stellte sich vor dem Kreishaus in Euskirchen den Fragen der Kollegen. „Also ich glaube“, sagte der FDP-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen auf Fragen nach seiner Kompetenz, „zunächst einmal Fachlichkeit, aber ganz entscheidend ist auch das Thema Organisation, Finanzen, und das allerwichtigste: Personal, Menschenführung“.

Als die Parteifreunde diesen Auftritt wenig später im Fernsehen sahen, waren sie nicht sicher, ob sich seine Kompetenz bei den Zuschauern vermittelt hatte. „Ich weiß nicht, warum ihm niemand davon abgeraten hat“, hieß es in der FDP-Landtagsfraktion. Denn am Ende hatte Wolf – völlig ernsthaft – auf die Frage geantwortet, was er als Kanzler alles ändern würde. Ganz abwegig war das nicht, denn Ingo Wolf verdient so viel wie der Kanzler oder der Bundespräsident: Er kommt auf Einkünfte von mehr als 226000 Euro pro Jahr und ist damit einsamer Spitzenreiter im Düsseldorfer Landtag. Neben seinen Diäten bekommt der 50-Jährige eine üppige Pension, weil er den Job als Oberkreisdirektor von Euskirchen aus politischen Gründen verloren hat. „Alles ganz legal“, tröstet sich FDP-Parteichef Andreas Pinkwart, während die grüne Konkurrenz Wolf nur noch als „Florida-Wolf“ verspottet.

Dass dies alles selbst der besserverdienenden FDP-Klientel nur noch begrenzt zu vermitteln ist, argwöhnt die Partei inzwischen selbst. Deshalb informierte Wolf die Öffentlichkeit darüber, dass er jetzt eine Stiftung gegründet hat, in die er – „eins zu eins“ – jeden Euro einzahlt, den er netto aus seiner Pension erhält. Warum er die Stiftung allerdings erst nach den öffentlichen Berichten gegründet und wen er bisher gefördert hat, mochte Wolf nicht beantworten: „Wenn man eine Stiftung gründet, macht man dies still.“

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