Politik : Stimme seines Herrn

-

Gartentor und Tür des Plattenbaus in der Glinkastraße sind – anders als bei den Nachbarn – fest verschlossen. Nur für geladene Gäste öffnet sich das Hauptportal. Den Empfangssaal schmücken Portraits des weisen Führers Kim Jong Il und seines verstorbenen Vaters Kim Il Sung, des Begründers der „Juche“Periode, ein riesiger Toshiba-Stereo-TV, zwei Luftbefeuchter und einfache Furnier-Büromöbel. Hausherr Pak Hyon Bo, seit 2000 in Berlin und seit Aufnahme diplomatischer Beziehungen 2001 Botschafter, spricht kein Deutsch; auch beim Smalltalk greift er lieber zum Dolmetscher als zum Englischen. Fragen beantwortet er vorzugsweise, indem er lange Sprechzettel abliest. Zum Abschied verschenkt er Landschaftskalender für „Juche 92“ (2003). cvm

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben