Politik : Stimmen aus Stahl

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Rote, weiter hoffen! Wenn schon der Kanzlerkandidat der Union, Edmund Stoiber, partout nicht den bösen Wolf spielen will, wenn schon eurem Kanzler das mit dem Ron Sommer nicht so richtig glückt, wenn schon der Cem Özdemir über seine grünen Verhältnisse fliegt – die Naturgesetze, wenigstens, stehen euch bei. Diese Erkenntnis ist zu verdanken dem an dieser Stelle schon mehrfach hinreichend gewürdigten Pseudo-Abgeordneten Jakob Mierscheid und dem von ihm in gewohnter Bescheidenheit nach sich selbst benannten Gesetz, dem zufolge der Stimmenanteil der SPD bei der Bundestagswahl sich nach dem Index der Rohstahlproduktion in den alten Ländern in Millionen Tonnen im Wahljahr richtet. Das Gesetz hat, wie alle richtig brauchbaren politischen Gesetzmäßigkeiten, den großen Vorteil, dass sich seine Richtigkeit oder Falschheit erst im Nachhinein belegen lässt, wenn es so richtig schon keinen mehr interessiert. Das hat das Mierscheid-Gesetz mit der Demoskopie gemeinsam, an die vorher jeder glaubt – besonders die, die öffentlich beteuern, auf Umfragen gäben sie keinen Pfifferling –, über die hinterher jeder schimpft – ausgenommen die Sieger, die gerne Milde walten lassen – und deren Triumphe und Niederlagen pünktlich ein Jahr vor der nächsten Wahl der völligen Vergessenheit anheimfallen mit der Folge, dass die allgemeine Zahlenanbetung wieder um sich greift. Nur zu gerne glaubt die Sozialdemokratie folgerichtig auch ihrem phantomartigen Fraktionsmitglied. Der letzte Zwischenstand: 2001 lag der Index bei 39. In den ersten Monaten 2002 ist er leicht gesunken. Seit Mai aber geht es rohstahlmäßig aufwärts. Um Mierscheid zu zitieren: „Na also.“ Robert Birnbaum

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