Politik : Störfaktor

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Vorspiel im Theater: Wenn der Held gerade wortreich stirbt, und dann latscht plötzlich der Hausmeister von rechts nach links über die Bühne – mit dem tragischen Heldentod wird es von da an nix mehr.

Hauptstück: Am Bundeskanzleramt vorbei, von vorne aus gesehen links, führt eine kleine Straße. Normalen Autos ist sie durch versenkbare Betonpoller versperrt. Aber Fußgänger und Radfahrer nutzen den Weg gern. Es ist ein heißer Sommertag, da bietet sich dem flanierenden Publikum ein ungewohnter Anblick. Auf der Straße parken lauter olivgrüne Busse. „Heeresmusikcorps“ steht da drauf und „Wachbataillon“. Vor den Bussen angetreten, in voller Uniform und weißen Handschuhen: das Wachbataillon. Ein Stückchen abgesetzt aber steht eine kleine Gruppe stramm. Gegenüber, auf der Gehsteigkante und also ein wenig erhöht, wippt ein Höherrangiger auf den Zehen. Und brüllt. Brüllt die Staatsbürger in Uniform an wie – wie es nur ein Feldwebel fertig bringt. Brüllt, dass es der Kanzler bis in sein Büro hören müsste. Man erspare uns Details. Was die Uniformierten ausgefressen haben, ist den wüsten Worten eh nicht zu entnehmen.

Da kommt ein Radfahrer des Wegs. Wir erinnern uns: Auf der Straße die Busse, davor die Soldaten, auf dem Gehsteig der Brüllende. Nur zwischen dem Wutknopf und den Objekten seines Zorns – zwei Meter breit Straße. Da fährt der Fahrradfahrer zwischendurch. Der Brüllende erstarrt. Holt Luft, tief Luft. „Halloooo??!!!!“ bricht es aus ihm heraus. Aber der Radfahrer ist längst weiter. Die Zuschauer grinsen. Nicht viel hat gefehlt – um ans Vorwort anzuknüpfen – dass sie dem radelnden Hausmeister applaudiert hätten.

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