Politik : „Stoiber hat nicht kapiert“

Mirko Weber

München - Es herrsche wieder Ruhe, heißt es im bayerischen Landtag am Donnerstag bei der CSU. Aber der Schein des „Neuanfangs“ trügt, denn die Aussprache der Fraktion mit Edmund Stoiber war beileibe nicht von Freundlichkeiten geprägt. Es sei schon einmal leichter gewesen, Politiker zu sein, sagt Erwin Huber am frühen Morgen als Redner im Landtag. Huber hat die Stallwache im Parlament. Edmund Stoiber ist schon wieder in Berlin, um für die CSU letzte Hand an den Koalitionsvertrag zu legen. In München sagt Huber derweil pflichtschuldig, wo Bayern überall vorne ist. Dann aber räumt auch er ein, dass in den letzten Wochen Edmund Stoiber betreffend „ein Vertrauensverlust eingetreten“ sei, und dass es „ein längerer Weg sein“ werde, diesen wieder auszugleichen.

Als die Fraktionssitzung mit Stoiber am Mittwochabend zu Ende war, waren einige CSU-Abgeordnete immer noch überzeugt, dass ihr Parteichef „nicht kapiert“ habe, was er durch seinen Rückzug vom Amt des Wirtschaftsministers in Berlin angerichtet habe. „Du hast uns Bayern unseren Stolz genommen und dem Freistaat seinen Nimbus“, hatte Alfred Sauter dem Ministerpräsidenten in der Sitzung vorgeworfen.

Am Donnerstag ist es nach all diesen Vorgaben für die Opposition ein Leichtes, die CSU nach Strich und Faden auseinander zu nehmen, schließlich hatte der Fraktionschef Joachim Herrmann zuvor selber betont, was ihm seit der Landtagswahl alles zu „hopplahopp“ gegangen sei: Sowohl die Gymnasialreform G 8 wie auch die Kürzungen im Rahmen der Verwaltungsreform seien von Stoiber einfach „übers Knie gebrochen worden“. Dass die CSU-Fraktion diese Entscheidungen im Parlament kollektiv abgenickt hatte, möchte Herrmann nicht mehr diskutiert wissen. Stoiber, berichten Teilnehmer der Sitzung, habe bezüglich seiner zahlreichen Solonummern eine gewisse Reue gezeigt. Entschuldigt für den ganzen Wirrwarr habe er sich nicht, sondern im Gegenteil betont: „Ich habe mich für Bayern zerrissen.“ In Umfragen liegt die CSU momentan deutlich unter 50 Prozent, so schlecht wie seit 1993 nicht mehr, als Edmund Stoiber anfing, anderer Leute Scherbenhaufen zusammenzufegen. Nun hat er seinen eigenen.

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