Politik : Stoiber: „Kreuth hat mir wehgetan“

Hamburg - Kurz vor seinem Ausscheiden als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef hat Edmund Stoiber in einem Interview eingeräumt, von seinen eigenen Parteifreunden gestürzt worden zu sein. Er habe seine Ämter nicht freiwillig zur Verfügung gestellt und auch „niemanden selbst für die Nachfolge vorgeschlagen“, sagte Stoiber dem Magazin „Stern“. Damit widersprach er auch der Darstellung seines designierten Nachfolgers als Ministerpräsident, Günther Beckstein (CSU), auf der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth habe es keinen Putsch gegeben. „Kreuth hat mir wehgetan. Ich bin ja auch nur ein Mensch“, sagte Stoiber.

Stoiber sagte, trotzdem habe er die letzten Monate „wie eine Bereicherung“ empfunden. „Ich konnte gestalten, aber ohne das Muss, die persönliche Macht zu behalten.“ Mit seinem Ausscheiden im Oktober bekomme er „auch ein großes Stück persönliche Freiheit zurück, vor allem eins: Zeit.“ Der scheidende Ministerpräsident räumte allerdings auch ein, dass es bei ihm „sicher einen Abschiedsschmerz geben“ werde.

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion sieht in Stoibers jüngsten Aussagen einen Beleg dafür, dass die „Fassade der heilen CSU-Welt bröckelt“. „Das Bild von einem freiwilligen und geordneten Übergang bricht zusammen“, betonte SPD-Fraktionsvize Thomas Beyer. Stoiber stelle klar, dass sein Rückzug erzwungen worden sei. Das sei eine schwere Hypothek für den designierten Nachfolger Beckstein: „Beckstein wird den Makel des Königsmordes nicht los.“ AFP/ddp

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